VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4100:2019-04
Zählerschränke regelkonform einrichten
Seit 2019 bestimmt die VDE-AR-N 4100:2019-04 die Anforderungen für die Einrichtung von neuen Zählerschränken. Ziel ist es, den Zählerschrank besser auf die Anforderungen der Energiewende vorzubereiten. Welche Auswirkungen hat die Regelung für den Anwender?
Bild: ABB Stotz-Kontakt GmbH
Bild: ABB Stotz-Kontakt GmbH

Die neue VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4100:2019-04 hat die bisher gültige VDE-AR-N 4101 mit Wirkung zum 1. April 2019 abgelöst. In der VDE-AR-N 4100:2019-04 werden die technischen Mindestanforderungen für Zählerplätze in elektrischen Anlagen mit direkter Messung und Betriebsströmen bis maximal 63A definiert, die an das Niederspannungsnetz der allgemeinen Stromversorgung angeschlossen werden. Die Richtlinie gibt u.a. vor, welche Funktionsfelder und Anschlüsse gegeben sein müssen und auf welche Kriterien bei der Installation von Zählerplätzen geachtet werden muss. Sie enthält Vorgaben zum Anschluss und Betrieb von Energiespeichern und für Ladeeinrichtungen von elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Außerdem wurden die bestehenden Anforderungen an Anschlussschränke im Freien aus der VDE-AR-N 4102:2012-04 weiterentwickelt. Achtung bei den Begrifflichkeiten: In den VDE-Anwendungsregeln ist nicht vom unteren und oberen Anschlussraum, sondern vom netzseitigen Anschlussraum (NAR) und anlagenseitigen Anschlussraum (AAR) die Rede. Der Raum für Zusatzanwendungen (RfZ) und der Abschlusspunkt Zählerplatz (APZ) werden weiterhin so benannt.

Anforderungen an den NAR

Im Einzelnen bestimmt die VDE AR-N 4100:2019-04 die folgenden Regeln für den NAR: Die Hauptleitung wird von unten, von hinten oder seitlich in den NAR eingeführt – die Einführung von oben ist nicht zulässig. Sollte es aus Platzgründen notwendig sein, kann der Anwender die Einspeisung auch über ein seitlich angeordnetes Einspeisegehäuse durchführen. Die Höhe des NAR am Zählerplatz beträgt 300mm. Anwender müssen im NAR generell ein 5-poliges Sammelschienensystem einrichten. Messeinrichtungen, die direkt an das Hauptstromversorgungssystem angeschlossen sind, müssen über eine selektive Überstrom-Schutzeinrichtung verfügen; Laien müssen diese bedienen können, außerdem muss sie sperr- und plombierbar sein. Die Kurzschlussschutzeinrichtungen müssen zudem ein Ausschaltvermögen von mind. 25kA aufweisen. Kleiner Tipp für die Praxis: Um Platz im NAR zu sparen, können Anwender das 40-mm Sammelschienen-System über den selektiven Hauptleitungsschutzschalter S750 von ABB bis 100A und 50mm² bequem einspeisen.

Anforderungen an den AAR

Nach der VDE-AR-N 4100 sind im anlagenseitigen Anschlussraum zur Absicherung maximal drei Wechselstromkreise zulässig. Installateure dürfen sie bis maximal 16A mit einem Leitungsschutzschalter (LS) oder durch eine Kombination von Fehlerstrom-Schutzschalter mit Leitungsschutzschalter (FI/LS) gegen Überstrom absichern. Das Kurzschlussausschaltvermögen der LS bzw. FI/LS ist dabei im AAR mit 10kA verbindlich festgelegt. Übrigens: Wenn Anwender einen LS oder FI/LS von ABB mit 6kA mit einem selektiven Hauptleitungsschutzschalter S750 von ABB kombinieren, können bis zu 10kA Kurzschlussströme abgeschaltet werden. Es wird somit kein LS oder FI/LS mit 10kA benötigt, wodurch Anwender Kosten einsparen können.

iMSys ab 6.000kWh Jahresverbrauch Pflicht

Das intelligente Mess-System (iMSys) ist eine Kommunikationseinheit und besteht aus einem Smart-Meter-Gateway und wird über einen Router fernabgelesen. Der Gesetzgeber verlangt den Einbau eines iMSys ab einem Jahresstromverbrauch von mehr als 6.000kWh. Das Smart-Meter-Gateway wird im RfZ und der Router im APZ installiert. Beide Bereiche müssen mit Spannung über den NAR versorgt werden. In der Praxis stehen Anwender öfters vor dem Problem, die Einspeisung und Spannungsversorgung eines iMSys bei gleichzeitiger Doppelbelegung auf einer Feldbreite umzusetzen. ABB bietet hier eine effektive Lösung: Mit dem S750 besteht die Möglichkeit innerhalb einer Feldbreite zwei S750 für zwei Zählerplätze, inklusive dem Überspannungsschutz mit integriertem Spannungsabgriff für das iMSys, zu installieren.

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Autor | Martin Hochstein, Product Marketing Specialist für ­Überspannungsschutz und selektive Haupt-Leitungsschutzschalter, ABB Stotz Kontakt GmbH

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