Vernetzter Ansatz für den proaktiven Brandschutz

Im Fire Lab werden die neuen Brandschutzlösungen auf Herz und Nieren geprüft.
Im Fire Lab werden die neuen Brandschutzlösungen auf Herz und Nieren geprüft. – Bild: Siemens AG

Das Portfolio schafft eine technologische Grundlage auf dem Weg zum autonomen Gebäude und ermöglicht intelligentere, sicherere und effizientere Betriebsabläufe, erklärt Peter Nebiker, der als Head of Fire Safety bei Siemens Smart Infrastructure Buildings das globale Portfolio an Brandschutzlösungen verantwortet. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jürg Herzog, Landesleiter von Siemens Smart Infrastructure Schweiz und Leiter des dortigen Geschäftsbereichs Gebäude, berichtete er im Rahmen der Pressekonferenz über die Herausforderung modernen Brandschutzes sowie die Entwicklungsgeschichte der neuen Lösungen. Besonders die Vorteile eines vernetzten Ansatzes werden deutlich. Die Melder kombinieren dafür moderne Detektionstechnologie mit einem IoT-vernetzten Portfolio, das Echtzeitüberwachung, Ferndiagnosen und vorausschauende Wartung ermöglicht. Das Angebot wurde in der Schweiz entwickelt, wo sich auch die Produktionsstätte befindet. Dabei baut man auf Erfahrung: 85 Jahre Schweizer Brandmeldetechnik steckt in den Produkten, berichtete Jürg Herzog stolz im Rahmen des Events.

Am 27. März wurden Sinteso Nova und Cerberus Nova der Fachpresse in Zug offiziell vorgestellt.
Am 27. März wurden Sinteso Nova und Cerberus Nova der Fachpresse in Zug offiziell vorgestellt.Bild: Siemens AG

Vom klassischen Brandschutz zum proaktiven Ansatz

Das neue Portfolio überführt den klassischen Brandschutz nun in einen proaktiven, intelligenten und vernetzten Ansatz und schafft damit eine technologische Grundlage auf dem Weg zu autonomen Gebäuden. Das Angebot erhöht die Betriebssicherheit, verbessert die Effizienz von Service- und Wartungsteams und erleichtert es, Systeme zu modernisieren. Gleichzeitig ermöglicht Cloud-Konnektivität datenbasierte digitale Services. Aufgrund dieser Technologie erfüllen die Systeme die Anforderungen verschiedener Branchen – darunter das Gesundheits- und Hochschulwesen, Rechenzentren sowie Gewerbeimmobilien. In Krankenhäusern, in denen sowohl Patientensicherheit als auch ein effizienter Betrieb entscheidend sind, sorgen die neuen Brandmelder durch kontinuierliche, autonome Detektion beispielsweise für mehr Zuverlässigkeit. Die automatisierte Disturbance-Free-Testing-(DFT)-Technologie führt rund um die Uhr Selbstchecks durch und reduziert so mögliche Systemausfallzeiten. Die Smoke-Entry-Supervision-(SES)-Technologie überwacht die Raucheintrittsöffnung in Echtzeit, so dass Betreiber unmittelbar eingreifen können bevor sich kritische Situationen entwickeln. Darüber hinaus minimiert die ASAplus (Advanced Signal Analysis)-Technologie Fehlalarme, indem sie optische Mehrwellenlängen-Sensorik mit dualer thermischer Detektion vereint. Damit werden auch unnötige Evakuierungsmaßnahmen vermieden. Die vollständig IoT-fähigen Brandmelder sind mit cloudbasierten Anwendungen kompatibel wie etwa mit den Building X Fire Apps von Siemens.

Peter Nebiker (r.), Head of Fire Safety, und Jürg Herzog (l.), Landesleiter Schweiz, führten durch die Veranstaltung.
Peter Nebiker (r.), Head of Fire Safety, und Jürg Herzog (l.), Landesleiter Schweiz, führten durch die Veranstaltung.Bild: Siemens AG

Unterstützung für Facility Teams über alle Standorte hinweg

Die Funktionen liefern Facility Teams sowie Serviceanbietern Dateneinblicke und ermöglichen Echtzeitüberwachung, Ferndiagnosen und vorausschauende Instandhaltung. Rechenzentren sehen sich aufgrund der hohen Dichte elektrischer Systeme und der Notwendigkeit eines unterbrechungsfreien Betriebs mit besonderen Anforderungen an den Brandschutz konfrontiert. Dazu zählen etwa Überhitzung und elektrische Fehlfunktionen. Die neuen Brandmelder tragen nicht nur dazu bei, kritische IT- und Elektroinfrastrukturen verfügbarer zu machen, sondern geben auch mehr Einblicke in den Zustand der Systeme. Automatisierte Selbst-Checks, cloudbasierte Überwachung und vorausschauende Wartung ermöglichen es Facility Teams, schnell und proaktiv zu reagieren. So lassen sich Störungen reduzieren, während diese kritischen Anlagen gleichzeitig effizient geschützt werden. Andere Branchen, wie z.B. das Hochschulwesen und der gewerbliche Immobilienbereich, betreiben häufig mehrere, räumlich verteilte Gebäude. Hier ist ein zentralisiertes Brandschutzmanagement besonders essenziell. Sinteso Nova und Cerberus Nova unterstützen Facility Teams dabei, über alle Standorte hinweg einheitliche Schutzstandards sicherzustellen, indem sie Anlagen kontinuierlich überwachen, das Risiko unnötiger Betriebsunterbrechungen reduzieren und eine proaktive Wartung unterstützen. Dieser ganzheitliche Ansatz schafft Transparenz über weit verteilte Gebäude und sorgt für zuverlässige und resiliente Betriebsabläufe.

Sinteso Nova und Verberus Nova überführen den Brandschutz in einen proaktiven, vernetzten Ansatz.
Sinteso Nova und Verberus Nova überführen den Brandschutz in einen proaktiven, vernetzten Ansatz. – Bild: Siemens AG

Grundlage für menschenzentrierte, autonome Gebäude

„Die Einführung unseres Brandmeldeportfolios Sinteso Nova und Cerberus Nova ist ein Meilenstein, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass Alarme so präzise wie möglich sind. Durch den Übergang von periodischen Checks hin zu kontinuierlichen, datenbasierten und selbstüberwachenden Systemen, schaffen wir die Grundlage für wirklich menschenzentrierte, autonome Gebäude. Indem Tests automatisiert, sowie Echtzeiteinblicke und Fernzugriffe möglich sind, schützen diese Lösungen nicht nur Menschen, sondern entlasten auch gleichzeitig das Personal. So können sich Mitarbeiter auf strategisch-relevante Aufgaben konzentrieren. Das neue Portfolio steht nicht nur für Innovation – sondern für intelligentere, sicherere und effizientere Betriebsabläufe“, fasst Nebiker im Rahmen der Veranstaltung zusammen.

Neuer Ansatz im Brandschutz

Am Siemens Smart Infrastructure Hauptsitz in Zug befindet sich auch die hochautomatisierte Brandmelderfertigung.
Am Siemens Smart Infrastructure Hauptsitz in Zug befindet sich auch die hochautomatisierte Brandmelderfertigung. – Bild: Siemens AG

Unabhängig von der Branche stehen die Brandmelder für einen neuen Ansatz im Brandschutz. Sie ermöglichen es, schrittweise zu modernisieren, während sie gleichzeitig kontinuierlichen Schutz bieten. Dabei bleiben bestehende Brandmeldezentralen kompatibel, sodass es nicht erforderlich ist, Anlagen vollständig auszutauschen. Dank einer Plug&Play-Integration – einschließlich der automatischen Übernahme konfigurierter Einstellungen – ermöglichen die Systeme es, nahtlos zu modernisieren und reduzieren zugleich Installationsaufwand sowie Risiken. Die Melder tragen das Produktlabel Siemens EcoTech, das für mehr Transparenz in Bezug auf Nachhaltigkeit sorgen soll. Das Portfolio besteht nicht nur aus recycelten Kunststoffen, sondern fördert ein umweltbewusstes Design, Ressourceneffizienz sowie Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Die Brandmelder sind Teil des Siemens Xcelerator Portfolios, einer offenen digitalen Business Plattform, die es Kunden ermöglicht, ihre digitale Transformation skalierbar umzusetzen.

Auf Herz und Nieren geprüft

Am Hauptsitz von Siemens Smart Infrastructure in Zug befinden sich neben der hochautomatisierten Brandmelderfertigung sowie zentralen Forschungsaktivitäten auch das Fire Lab. Dort werden die Brandschutzlösungen rund 200 Mal im Jahr auf Herz und Nieren geprüft. Vor Ort können verschiedene Brandsituation simuliert und durch umfassende Sensorik ausgewertet und analysiert werden. Es wird z.B. getestet, ob die Melder korrekt und entsprechend relevanter Normen auslösen. Auch ob die Brandmelder den Unterschied zwischen einem Grillabend und einem echten Brand erkennen, kann nachvollzogen werden.

Siemens Smart Infrastructure blickt auf 85 Jahre Schweizer Brandmeldetechnik zurück, deren Ursprung 1941 in der Gründung der Cerberus GmbH durch die Physiker Walter Jaeger und Ernst Meili in Bad Ragaz liegt. Aus einem kleinen Labor entwickelte sich Cerberus in den folgenden Jahrzehnten zu einem international bedeutenden Unternehmen der Brandmeldetechnik. Prägend waren dabei technische Entwicklungsschritte von den frühen Ionisationsmeldern über transistorisierte und optische Systeme bis hin zu softwaregestützten, digital vernetzten Brandmeldeanlagen. 1998 wurde Cerberus Teil von Siemens und in die Geschäftseinheit Building Technologies integriert. Heute ist die Brandmeldetechnik Teil von Siemens Smart Infrastructure Buildings, deren Hauptsitz in Zug unter anderem Fertigung, Forschung und ein Fire Lab umfasst.