Vor allem netzdienliche Steuerung nötig

Flächendeckender Smart-Meter-Einsatz reicht alleine nicht aus

Bild: EW Medien und Kongresse GmbH / ©Moritz Richter

Der Rollout der intelligenten Messsysteme ist im Gange. Bis jetzt wurden mehr als 400.000 Stück verbaut und die Zielsetzung bis zum Jahre 2030 beträgt 18 Millionen. Auf dem VDE FNN Fachkongress ZMP in Leipzig am 21. und 22. Juni präsentierte das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) Vorschläge für weitere Anpassungen. Ziel ist es, mehr Vorteile für Verbraucherinnen und Verbraucher zu schaffen und den Netzausbau durch netzdienliche Steuerung effizienter zu gestalten.

VDE FNN machte sich dafür stark, die Rahmenbedingungen für den Einsatz von intelligenten Messsystemen (iMSys) weiter zu verbessern. Das Forum begrüßt, dass der Rollout von Smart Metern jetzt Fahrt aufgenommen hat, vor allem durch das im Mai in Kraft getretene Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW). Mit den intelligenten Messsystemen bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher u.a. mehr Transparenz über ihren Stromverbrauch sowie Zugang zu variablen Tarifen und Energiemanagement. Aus Sicht von VDE FNN sind aber weitere Anpassungen im Ordnungsrahmen erforderlich, damit die Stromversorgung zuverlässig und die Energiewende bezahlbar bleibt. Denn die Stromnetzbetreiber müssen in immer kürzerer Zeit immer mehr leistungsstarke Kundenanlagen wie Wallboxen, Wärmepumpen oder Energiespeicher ins Netz integrieren. Die Haushalte benötigen zudem in Zukunft aufgrund der Elektrifizierung der Sektoren Wärme und Verkehr deutlich mehr Strom und Leistung.

Energiewende beschleunigen und Netzausbau durch netzdienliche Steuerung optimieren

Dr. Joachim Kabs, Vorstandsvorsitzender von VDE FNN: „Wir wollen beides: den schnellen Hochlauf von E-Mobilität, Wärmepumpen und Speichern ermöglichen. Und gleichzeitig die zuverlässige Stromversorgung und den Komfort für Kundinnen und Kunden sicherstellen. Die Lösung heißt netzdienliche Steuerung. Stromnetzbetreiber sollten präventiv steuernd in das Stromnetz eingreifen dürfen. Damit beschleunigen wir die Energie-, Verkehrs- und Wärmewende, gestalten den Netzausbau durch netzdienliche Steuerung effizienter, können proaktiv kritischen Situationen im Netz vorbeugen und Ad-hoc-Maßnahmen reduzieren.“

Zur notwendigen Erschließung von Flexibilitäten bei steuerbaren Lasten soll die Regulierung zu Paragraf 14A im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) weiter ausgestaltet werden. Mehr Kompetenzen für die Verteilnetzbetreiber entlasten aus Sicht von VDE FNN alle Kunden über die Netzentgelte. Denn die aktuellen Pläne der Bundesnetzagentur sehen vor, dass das Netz künftig teilweise maximal ausgebaut werden muss: Immer dort, wo Netzbetreiber aufgrund von Engpässen steuernd eingreifen müssen. Stattdessen sollten dauerhaft die Instrumente der Steuerung genutzt werden, um den Netzausbau wirtschaftlich optimiert an die Auslastung anzupassen und dabei gemeinsam mit den Endkunden auch marktliche Flexibilitätspotentiale zu nutzen. VDE FNN setzt sich zudem für klare Regeln zum Einsatz des präventiven Steuerns ein.

Rollout durch GNDEW jetzt deutlich einfacher und verbindlicher

Mit dem GNDEW ist der Rollout von Smart Metern deutlich einfacher und verbindlicher geworden. Über 400.000 iMSys wurden bereits verbaut. Das Ziel bis 2030: über 18 Millionen. Ingo Schönberg, stellvertretender Vorsitzender von VDE FNN: „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir bald dahin kommen, pro Jahr zwei Millionen intelligente Stromzähler für die Energiewende zu installieren und Steuerung zu ermöglichen. Daher dürfen wir jetzt nicht nachlassen. Wir müssen noch mehr Anreize schaffen, etwa durch weitere Vorteile für Verbraucherinnen und Verbraucher wie dynamische Tarife, Flexibilitätsmärkte oder Mieterstrommodelle. Das würde die Nutzung der Smart Meter weiter stärken.“ Außerdem müsse das Eichrecht zeitnah modernisiert werden: Es fehlen für Smart-Meter-Gateways die Verlängerung der Eichfrist sowie praktikable Prozesse für Updates.

VDE Verband der Elektrotechnik

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