„Sensorik ist der Schlüssel zu mehr Effizienz.“

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Bild: Trilux GmbH & Co. KG

Was war der Auslöser für die Entwicklung eines eigenen Sensor-Portfolios?

Hubertus Volmert: Es gab mehrere Gründe für diesen Schritt. Einerseits stagniert der klassische Lichtmarkt aktuell, während das Feld Lighting Control starke Zuwachsraten verzeichnet. Auch neue gesetzliche Vorgaben, etwa die EU-Richtlinie EPBD, forcieren den Bedarf an smarten, steuerbaren Lösungen. Wir haben darüber hinaus festgestellt, dass es im Markt bislang an wirklich gut designten Sensoren fehlt, die sich nahtlos in architektonisch anspruchsvolle Umgebungen einfügen. Das war für uns der Antrieb, eine eigenständige Lösung zu schaffen. Und zwar eine, die sich leicht installieren und bedienen lässt, idealerweise aus eigener Fertigung. Unsere Entscheidung zur Eigenproduktion in Deutschland und Europa resultiert zudem aus Überlegungen zur Flexibilität: Das Projektgeschäft in der Gebäudetechnik ist sehr dynamisch, viele Sonderlösungen sind gefragt. Mit eigenen Fertigungsstandorten – etwa unserem neuen Werk in Polen – können wir kurzfristig auf individuelle Wünsche eingehen und setzen bewusst auf lokale Produktion.

Ist die Fertigung in Europa auch im Sinne von Nachhaltigkeit?

Volmert: Auf jeden Fall. Wir legen Wert auf lokale Wertschöpfung dort, wo es Sinn macht, und sehen darin ein nachhaltiges Konzept. Aber entscheidend ist auch, wie Sensorik konkret zu mehr Nachhaltigkeit beiträgt: Jede nicht gesteuerte Beleuchtungsanlage verschenkt enormes CO2-Einsparpotenzial. Unsere Sensoren, kombiniert mit dem Lichtmanagementsystem LiveLink, sorgen für eine effiziente, automatische Steuerung. Mit vergleichsweise geringem Invest können Unternehmen so einen substanziellen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten.

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Hubertus Volmert (Mitte) und Sebastian Ludwig (rechts) erklären Chefredakteur Florian Streitenberger auf der Light + Building die neue Sensorik. – Bild: Trilux GmbH & Co. KG

Welche Einsatzbereiche und Lösungen decken Sie mit dem Portfolio ab?

Sebastian Ludwig: Insgesamt gibt es fünf Sensorbaureihen. Unser Ziel war von Anfang an, ein applikationsübergreifendes Portfolio zu schaffen, also Lösungen nicht nur für Industrie, sondern explizit auch für Büros, designorientierte Anwendungen und Außenbereiche. Dafür gibt es Stand-Alone-Sensoren in unterschiedlichen Technologie-Varianten (Schaltung, DALI-Broadcast, DALI-2 Input Device, Bluetooth NLC), als Einbau- und Aufputzvarianten für verschiedene bauliche Situationen und Montagehöhen. Daneben bieten wir Sensoren für Leuchten mit Zhaga-Sockel an, insbesondere für den Außen- und Industriebereich, jeweils in schwarz und weiß. Mikrosensoren ermöglichen die dezente Integration in hochwertige Designleuchten. Und für Stromschienen gibt es kompakte Module. Uns war wichtig, eine einfache Integration je nach Applikation, Montagesituation und Technik zu ermöglichen. Und sogar bei den Farben sind wir flexibel und erfüllen Wünsche aus Architektur und Lichtplanung.

Wie funktioniert die Inbetriebnahme?

Ludwig: Das Bedienkonzept folgt dem Anspruch, alle wichtigen Grundfunktionen einfach per Hand einstellen zu können, ohne App, ohne Fernbedienung, ohne weitere Hilfsmittel. Die Anwender wählen an der Vorderseite per Drucktaste das gewünschte Symbol, z.B. für die Nachlaufzeit oder Helligkeitsschwelle. Eine LED-Anzeige zeigt die Werte, die Einstellung erfolgt über einen Drehmechanismus direkt am Sensor-Sockel. So sparen Installateure Zeit und Komplexität. Sie brauchen nach Bohren und Montagewerkzeug zur Inbetriebnahme keinen Schraubendreher oder Smartphone mehr. Wir wollten damit gezielt die Schwelle zur Nutzung von Sensorik senken: Die Lösung ist selbsterklärend und macht den Einstieg in automatisierte Beleuchtung maximal einfach.

Volmert: So stellen wir sicher, dass möglichst viele Projekte in Zukunft gesteuert werden. Zu hochkomplizierte High-End-Sensorik schreckt viele eher ab. Unsere IntuSens-Sensoren sollen mit ihrer intuitiven Bedienung Berührungsängste abbauen und flächendeckend für mehr Effizienz sorgen.

Wie ist das Thema Design in Ihre Entwicklung eingeflossen?

Ludwig: Viele Lichtdesigner und Architekten bemängeln, dass „steuerschwache“ Sensoren das Deckenbild stören. Sie erinnern oft an Rauchmelder oder WLAN-Hotspots. Uns war wichtig, Sensoren zu entwickeln, die sich in ihr Umfeld einfügen, möglichst flach sind und in der Designsprache zu modernen Leuchten passen. Sensoren sollen so unauffällig wie möglich integriert werden: Entweder nahtlos in die Leuchte oder als Stand-Alone-Lösung, die das Gesamtbild bewahrt.

Volmert: Unsere eigene Entwicklung gibt uns die Möglichkeit, das Zusammenspiel von Leuchten- und Sensorendesign optimal zu gestalten. So wird das Erscheinungsbild der Decke ruhiger.

Warum ist Sensorik so entscheidend für nachhaltige Lichtlösungen?

Volmert: Nachhaltigkeit im Lichtbereich heißt für mich: Erstens müssen Beleuchtungssysteme hocheffizient sein. Zweitens ist eine sorgfältige, normgerechte Lichtplanung entscheidend. Da steckt viel Potenzial, Energie zu sparen. Und drittens: Jede gesteuerte Beleuchtungsanlage bietet enorme Einsparungen. Nicht gesteuertes Licht ist im Sinne der Nachhaltigkeit kontraproduktiv! Präsenz- und Tageslichtsteuerung sparen CO2 und Betriebskosten. Sensorik ist der Schlüssel zu mehr Effizienz.

Ludwig: Ein weiteres Ziel war wie gesagt, Bedienung und Installation so einfach zu gestalten, dass niemand mehr vor Aufwand zurückschrecken muss. Uns treibt der Anspruch, Lichtsteuerung auch im Bestand, in Sanierungen und in kleineren Projekten mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit zu machen.

Welche Kommunikation unterstützen Sie und was wird nachgefragt?

Ludwig: Im Neubau steht meist Leitungsinfrastruktur zur Verfügung, im Bestand oder bei Sanierungen wird Funk oft bevorzugt. Entscheidend ist aber nicht nur die Technik, sondern auch die Investitionssicherheit. Daher setzen wir konsequent auf offene Marktstandards wie DALI oder Bluetooth NLC. Wir sind uns sicher: Proprietäre Systeme hemmen die Marktdurchdringung und verunsichern Kunden. Deshalb sind Kompatibilität und Interoperabilität zentrale Entwicklungskriterien bei IntuSens.

Volmert: Wir stellen bewusst offene Schnittstellen bereit, um uns etwa an Building-Management-Systeme andocken zu können. In der Arbeitsgemeinschaft Bluetooth Mesh arbeiten wir z.B. mit anderen Anbietern an gemeinschaftlichen, standardisierten Funklösungen, damit sich jeder Kunde zukunftssicher aufstellen kann.

Wie sieht die Rolle von Trilux im Kontext Smart Building aus?

Volmert: Unser Fokus bleibt das Thema Licht und Sensorik. Aber wir begreifen uns als Partner im Netzwerk: Unsere Systeme sind offen, liefern auch Daten für andere Gewerke, und wir integrieren uns bewusst in bestehende Gebäudeleittechnik. Wir haben nicht den Anspruch, ein vollständiges Gebäudemanagementsystem zu liefern. Stattdessen wollen wir mit offener, flexibler Sensorik und Lichtsteuerung die perfekte Anbindung ermöglichen.

Ludwig: Letztlich zählt der Mehrwert für Anwender: Statt zusätzlicher Bedienpanels an jeder Wand sorgt eine offene Infrastruktur dafür, dass sich Licht und andere Gewerke optimal vernetzen lassen. Sensorik aus der Lichtwelt kann künftig auch für andere Gebäudefunktionen Daten bereitstellen. Smarte Gebäude werden so Realität. Und am Ende profitieren Installateure, Betreiber und Nutzer gleichermaßen durch vereinfachte Prozesse, nachhaltige Beleuchtungssteuerung und bestmöglich abgestimmte Lösungen.