
Was bedeutet denn der Begriff Smart Living – können Sie das einmal anhand Ihres Projektes einordnen?
Michael Schidlack: Der Begriff ‚Smart Living‘ steht bei uns für die umfassende Digitalisierung des privaten Wohnumfelds. Dabei geht es nicht nur um klassische Smart-Home-Systeme, die direkt vom Bewohner gesteuert werden, sondern auch um fest verbaute Gebäudetechnologie, die oft dem Eigentümer gehört. Dazu gehören z.B. Heizungsanlagen in Mietwohnungen oder zentrale Systeme in Eigentumswohnanlagen. Hinzu kommen externe Datenquellen wie Wetterdaten, Versorgerdaten oder Informationen aus dem Gesundheitsbereich. Unser Ziel ist es, diese fragmentierten Datensilos zu einem einheitlichen Zugriffspunkt zu verschmelzen. Bewohner, Dienstleister und Eigentümer sollen auf diese Weise von einer konsistenten und sicheren Datengrundlage profitieren.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei?
Eine der größten Hürden ist die Interoperabilität der unterschiedlichen Systeme. In Gebäuden finden wir oft Technologien aus verschiedenen Jahrzehnten. Unser Ansatz ist es, die Herkunft der Daten irrelevant zu machen. Entscheidend ist, dass sie in unserem Ökosystem zusammengeführt und sicher verfügbar sind. Natürlich steht bei einem solchen Projekt auch das Thema Datenschutz ganz oben. Wir setzen auf Mechanismen, die sicherstellen, dass nur autorisierte Parteien Zugriff auf die Daten erhalten – u.a. über digitale Verträge. Der EU Data Act spielt uns hier in die Karten, da er das Recht auf Datennutzung für Eigentümer stärkt. Gleichzeitig bleiben alle Daten an ihrem Ursprung gespeichert und werden nur bei Bedarf temporär abgefragt. Eine weitere Herausforderung ist die Akzeptanz am Markt. Oft ist man noch skeptisch gegenüber gemeinsamen Plattformlösungen. Hier müssen wir Überzeugungsarbeit leisten: Wir wollen keine bestehenden Systeme ersetzen. Vielmehr bieten wir einen Mehrwert, indem wir fragmentierte Daten zusammenführen und den Zugang vereinfachen.

Welche praktischen Vorteile ergeben sich daraus?
Einer der zentralen Anwendungsbereiche ist die Energieeffizienz. Stellen Sie sich vor, eine App könnte Ihren Energieverbrauch nicht nur messen, sondern auch optimieren – etwa durch Vorschläge zur Heizungsregelung oder Waschzeiten. Unsere Technologie ermöglicht es zudem, Verbrauchsprofile einfach von einer Wohnung in die nächste mitzunehmen, was den Alltag erleichtert. Ein weiteres Feld ist das Gebäudemanagement. Mit unseren Tools können Vermieter oder Verwalter z.B. Sanierungsmaßnahmen datenbasiert planen: Welche Maßnahmen bringen den besten Nutzen? Wie wirkt sich das auf Energieverbräuche und Kosten aus? Solche Berechnungen basieren nicht auf groben Schätzungen, sondern auf präzisen Prognosen. Darüber hinaus ergeben sich auch neue Möglichkeiten in der Pflege und im Gesundheitswesen. Intelligente Systeme können z.B. Pflegepersonal entlasten, indem sie automatisiert Gesundheitsdaten auswerten oder Anomalien in Bewegungsmustern erkennen. Mit führenden Lösungen für Überstrom- und Überspannungsschutz erhöht Mersen die Betriebssicherheit in Industrie und Gebäuden. ‣ weiterlesen
WIR SCHÜTZEN IHRE ANLAGEN
Wie sieht der aktuelle Stand um die Entwicklung der Plattform aus?
Das Projekt baut auf der ForeSight-Plattform auf, die bereits als KI-basierte Grundlage entwickelt wurde. Der Fokus von SmartLivingNext liegt nun darauf, marktfähige Anwendungen zu schaffen. Wir haben Anwendungsfälle identifiziert, die von Energieoptimierung über Gesundheit bis hin zur Prozessverschlankung im Gebäudemanagement reichen. Parallel onboarden wir Partner aus der Wohnungswirtschaft und der Industrie. Ziel ist es, bis 2027 eine marktreife Plattform bereitzustellen, die exponentielles Wachstum ermöglicht. Wir gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Anwendungen in den ersten Jahren nach dem Start vervielfachen wird. Anwendungen wie unsere Energie-App sind bereits im Testbetrieb verfügbar.
Welches Potenzial sehen Sie speziell für das Handwerk?
Besonders für das Elektrohandwerk eröffnen sich große Chancen. Eine zentrale Datenplattform kann die Planung und Umsetzung erheblich erleichtern. Handwerker müssen nicht länger für jedes Gebäude individuelle Schnittstellen entwickeln – der einheitliche Zugriffspunkt nimmt ihnen diese Arbeit ab. Zudem sorgt die Technologie für Zukunftssicherheit: Selbst wenn ein bestimmtes System nicht mehr unterstützt wird, bleiben die Daten in unserem Ökosystem nutzbar. Interessant ist auch die Möglichkeit der Fernwartung. Stellen Sie sich vor, ein Handwerker könnte über die Plattform Daten eines Gebäudes auslesen und Wartungsarbeiten bereits vor dem Besuch planen. Das spart nicht nur Zeit, sondern senkt auch die Kosten.
Wie fügt sich Ihr Ansatz in den Markt bestehender Lösungen ein?
Wir stehen hier nicht vor einer Disruption, die bestehende Systeme ablösen soll. Vielmehr schaffen wir eine Ergänzung, die das Beste aus beiden Welten kombiniert: etablierte Technologien bleiben erhalten, während neue datenbasierte Dienste und Services darauf aufbauen können. Bei unserem Ansatz orientieren wir uns an der Entwicklung des Smartphones. Zu Beginn war das Potenzial kaum erkennbar, doch die Plattformidee hat Skalierung und Innovation ermöglicht. SmartLivingNext verfolgt ein ähnliches Ziel: eine universelle Grundlage schaffen, auf der sich vielfältige Dienste entwickeln können – ohne dass jeder Anbieter von Grund auf neu beginnen muss.
Wie sieht die Zukunft des Projekts aus, was sind die nächsten Schritte?
Technisch sind wir gut aufgestellt. Der nächste Schritt ist es, die kritische Masse an Partnern und Anwendungen zu erreichen. Bis Ende 2025 wollen wir die Plattform mit realen Daten testen, um sie dann 2027 in den Marktbetrieb zu überführen. Parallel laufen diverse Pilotprojekte, die zeigen, wie vielseitig die Plattform genutzt werden kann. Ob Energieeffizienz, Gebäudewartung oder Gesundheitsanwendungen – wir sehen jetzt schon Potenzial, das über die ursprünglichen Ideen hinausgeht. Das langfristige Ziel ist ein nachhaltiges, komfortables und datenhoheitliches Wohnen für alle – und eine Branche, die die Digitalisierung nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreift.
Mit SmartLivingNext entsteht ein KI-basiertes Ökosystem für die Domäne Smart Living. Den Kern bildet ein sicherer Zugangspunkt zu allen Daten in Wohngebäuden. Durch dessen offene und schlanke Struktur soll die Entwicklung von Smart-Living-Diensten vereinfacht werden. Im Datenökosystem können bereits eingesetzten digitalen Technologien integriert und kombiniert werden. Das verfolgte semantische Dataspace Konzept belässt Daten in ihren Ursprungsumgebungen und stellt der Community KI-unterstützte Basisservices zur Datenanalyse, Prognose und Mustererkennung bereit.















