
Welche Bedeutung hat die Schaltschrankbeschriftung und Betriebsmittelkennzeichnung im Schaltschrankbau?
Die Schaltschrankbeschriftung dient der eindeutigen Identifikation von Komponenten. Es ist also nicht einfach nur ein Nice-to-Have, sondern die Grundvoraussetzung für Sicherheit, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit des Schaltschranks. Sie ermöglicht die normkonforme Dokumentation, schnelle Inbetriebnahme sowie eine sichere Instandhaltung – ist also gewissermaßen die Sprache der Anlage.

Welche Betriebsmittel müssen gekennzeichnet werden und gibt es Unterschiede bei der Kennzeichnung?
Zunächst einmal zu der Frage, welche Betriebsmittel generell gekennzeichnet werden sollten: vor allem natürlich die verschiedenen Leiter, Kabel, Relais, Sicherungen und Schutzschalter, oder auch Gerätebaugruppen und Anschlussstellen. Wenn wir uns das Ganze nun einmal etwas näher im Hinblick auf den Unterschied zwischen Gebäudeschaltschränken und Maschinenschaltschränken anschauen: Bei Gebäuden geht es mehr um Übersicht und Wartung, also dass Stromkreise, Sicherungen und Verteilerfelder markiert sind. Sowohl zum Zeitpunkt der Errichtung des Schaltschranks als auch für die Wartung zig Jahre später muss eine klare Schrift vorhanden sein, damit der Instandhalter auch tatsächlich einen Plan davon hat, was damals das Konzept der verschiedenen Stromkreise, Sicherungen usw. war. Bei Maschinen hingegen ist es ein wenig anders. Hier geht es mehr um Kennzeichnungen nach einer gewissen Struktur, also Ort, Funktion und Produktaspekt. Dementsprechend könnte man zusammenfassend sagen: Während es im Gebäude um eine Art Zuordnung geht, stehen im Maschinenbau mehr die funktionalen Aspekte im Vordergrund.

Welche sind die wichtigsten Normen und Vorschriften?
Aus meiner Sicht ist die wichtigste Norm die DIN EN IEC81346. Das ist eine Norm für die Strukturierung und Kennzeichnung von technischen Systemen, Anlagen und Produkten. Und dann gibt es noch weitere Vorschriften wie die DIN EN60204-1 für die elektrische Ausrüstung von Maschinen oder auch die DIN EN61439 für Niederspannungs- und Schaltgerätekombinationen. Im Wesentlichen geht es darum, dass durch die DIN-Normen eine klar festgelegte Struktur vorliegt, damit im Nachhinein auch über einen längeren Zeitraum hinweg eindeutig lesbar ist, was genau beschriftet wurde und was genau gemeint ist mit der Beschriftung.
Gibt es unterschiedliche Qualitäten bei der Kennzeichnung?
Es gibt sogar massive Unterschiede. Im Endeffekt gibt es zwei verschiedene Druckverfahren: einmal das Thermodirektdruckverfahren und dann das Thermotransferdruckverfahren. Gerade für Schaltschränke kommt vorwiegend das Thermotransferdruckverfahren in Betracht, denn dieses Verfahren hat eine wesentlich höhere Robustheit und Langlebigkeit der Etiketten. Dementsprechend hat auch Brother hier spezielle Tests an seinen Bändern durchgeführt, sowohl für die Standard-Bänder als auch die TZe-Bänder. Diese Kampagne haben wir ‚Tested to the Extreme‘ genannt. Wir haben einen Physiker damit beauftragt, verschiedene Härtetests an unseren Etiketten durchzuführen, um nachzuweisen, dass sie kratz- und wetterfest, UV- und temperaturbeständig oder resistent gegenüber verschiedenen Chemikalien sind. Denn gerade die äußeren Bedingungen unterscheiden sich von Schaltschrank zu Schaltschrank enorm. So könnte es sein, dass die Etiketten beispielsweise mit Öl in Kontakt kommen und diesem standhalten müssen. Hier gibt es eine große Varianz an Label-Materialien, die für Schaltschränke verwendet werden können. Neben klassischen Klebeetiketten, die z.B. unter Sicherungen angebracht werden, gibt es Schrumpfschläuche, also Etiketten, die bedruckt und dann über Schläuche gezogen und per Wärmebehandlung befestigt werden. Ferner gibt es Fähnchenetiketten. Das sind vorgestanzte Etiketten, die wie ein Fähnchen aussehen und meist an Schläuchen befestigt werden. Oder auch extra stark klebende Etiketten für verschiedenste Untergründe, wie beispielsweise raue Untergründe oder für den Outdoor-Bereich.
Nun gibt es ja auf der einen Seite stationäre Drucker, aber auch mobile Lösungen. Wann kommen denn welche Varianten zum Einsatz?
Stationäre Lösungen kommen in erster Linie dann zum Einsatz, wenn eine große Anzahl an Schaltschränken systematisch in der Werkstatt beschriftet werden soll. Denn mit einem Tischgerät kann relativ schnell eine große Menge an Etiketten vorgedruckt werden, da diese eine höhere Druckgeschwindigkeit haben. Der Vorteil bei den mobilen Beschriftungslösungen, die wir bei Brother anbieten, ist, dass diese bei der direkten Montage vor Ort eingesetzt werden können. Sowohl für Service als auch Instandhaltung ist so eine nachträgliche Kennzeichnung vor Ort möglich, wenn beispielsweise einmal eine Beschriftung fehlt. Ist eine solche mobile Lösung nicht vorhanden, wird nicht selten ein handbeschriebenes Label aufgeklebt. Eine kleine Anekdote: Einer unserer Lagermitarbeiter ist gelernter Elektriker. Er erzählte, dass ein Altgeselle in seinem Ausbildungsbetrieb häufig einfach Klebeband benutzt und dies händisch beschriftet hätte. Dieser Altgeselle hätte meistens zwei oder drei Jahre später fluchend vor dem Schaltschrank gestanden, da er seine eigene Handschrift nicht mehr entziffern konnte bzw. die Schrift völlig verblichen war. Dementsprechend ist es natürlich wichtig, eine langfristige Kennzeichnung zu ermöglichen, und das ist gerade mit diesen Handgeräten eine wesentliche Vereinfachung.
Was ist denn die neueste Lösung aus dem Hause Brother?
Die neueste Lösung ist unsere Cube Pro-Serie, das P-Touch E720 BT und das P-Touch E920 BT. Diese haben wir zu Beginn des Jahres neu auf den Markt gebracht. Sie sind noch einmal deutlich kompakter als die Handgeräte mit integrierter Tastatur, sind per App steuerbar, haben einen integrierten Akku und bieten die Möglichkeit, Etiketten unterschiedlicher Größen zu drucken. Damit sollen sie Arbeitsabläufe für Elektriker und Netzwerkinstallateure vereinfachen. Mit dem P-Touch E720 BT können bis zu 24 Millimeter breite Etiketten, mit dem P-Touch E920 BT sogar Etiketten von bis zu 36 Millimeter Breite gedruckt werden. Hinzu kommt, dass verschiedene spezielle Schriftbänder bedruckt werden können, wie beispielsweise Fähnchenetiketten, also die vorgestanzten Fähnchen, sogenannte Flexitapes, oder die extra stark klebenden Bänder. Diese eignen sich besonders für raue Oberflächen oder den Outdoor-Bereich, da sie eine bis zu dreimal stärkere Klebekraft besitzen im Vergleich zu den klassischen TZe-Bändern von Brother.
Im SCHALTSCHRANKBAU-Podcast diskutieren wir mit Expertinnen und Experten die neuesten Trends und Lösungen der Branche. Schaltschrankbauer und -planer, aber auch Betreiber und Instandhalter bleiben so stets bestens informiert. Hier geht es zur Folgenübersicht: https://openwebinarworld.com/podcasts/podcast-schaltschrankbau/
















