Intelligentes Energiemanagement als Schlüssel

Auf der Light + Building zeigte Janitza Lösungen für effizientes, sicheres und transparentes Energiemanagement in Gebäuden und Infrastrukturen.
Auf der Light + Building zeigte Janitza Lösungen für effizientes, sicheres und transparentes Energiemanagement in Gebäuden und Infrastrukturen.Bild: TeDo Verlag GmbH

Sie sind seit fast 30 Jahren in der Gebäude-Branche tätig. Was motiviert Sie an Ihrer Aufgabe bei Janitza, und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Mich motiviert seit fast drei Jahrzehnten diese Branche. Es ist die enorme Hebelwirkung, die Gebäude auf Energieverbrauch, CO2-Emissionen und Betriebskosten haben. Gebäude sind nicht nur Infrastruktur. Sie sind Lebens- und Arbeitsräume. Hier entscheidet sich, wie effizient, nachhaltig und resilient unsere Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren. Bei Janitza reizt mich besonders, dass wir Transparenz in komplexe Energiesysteme bringen. Transparenz ist die Grundlage jeder Optimierung. Mein Ziel ist es, Energiemonitoring und Netzqualitätsüberwachung als strategisches Instrument im Gebäudemanagement zu etablieren: Nicht als Nice-to-have, sondern als integralen Bestandteil moderner Gebäudetechnik. Dabei geht es mir vor allem darum, Energiemanagement ganzheitlich zu denken: von der Messstelle über die Analyse bis zur konkreten Maßnahme. Und das technisch fundiert, normkonform und wirtschaftlich sinnvoll.

Janitza fokussierte sich auf der Light + Building auf Lösungen für Energieeffizienz und Transparenz. Welche Herausforderungen begegnen Ihren Kunden aktuell? Und wie adressieren Sie diese?

Unsere Kunden stehen aktuell vor mehreren parallelen Herausforderungen: steigende Energiepreise, verschärfte regulatorische Anforderungen sowie wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen und ESG-Reporting. Hinzu kommt, dass viele Gebäude historisch gewachsen sind. Die Messtechnik ist oft fragmentiert oder nicht interoperabel. Es fehlt an durchgängiger Datentransparenz. Unsere Lösungen setzen genau hier an. Mit modularer Energiemesstechnik und der Netzvisualisierungssoftware GridVis schaffen wir eine durchgängige Transparenz vom Einspeisepunkt bis zum einzelnen Verbraucher. Wir ermöglichen kontinuierliche Verbrauchsanalyse, Lastspitzenidentifikation und CO2-Transparenz über alle Energieträger. Auch Netzqualitätsüberwachung, normkonforme Dokumentation sowie Energiemonitoring als Grundlage für förderfähige Effizienzmaßnahmen (BAFA, EEG, usw.) machen wir möglich. So entstehen aus Energiedaten konkrete Entscheidungsgrundlagen für technische Optimierung, Kostenreduktion und nachhaltige Gebäudeentwicklung.

Mit der neuen Version der GridVis-Software zeigen Sie Möglichkeiten zur Visualisierung von Energieflüssen und Lastspitzen. Inwiefern trägt das zum nachhaltigen und normkonformen Betrieb von Gebäuden bei?

Visualisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Steuerungsinstrument. Die GridVis stellt Energieflüsse transparent dar. Auf dieser Basis können Betreiber Lastspitzen analysieren und Zusammenhänge zwischen Verbrauch, Betrieb und externen Faktoren erkennen. Die Software bietet frei konfigurierbare Dashboards sowie KPI-basierte Auswertungen. In Kombination mit Lastganganalysen, Kostenstellenmanagement und automatisierten Reportings ermöglicht sie einen normkonformen Betrieb und unterstützt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Sinne eines Energiemanagements nach ISO50001. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch systematische Transparenz und kontinuierliche Optimierung.

Die Lösungen von Janitza ermöglichen durch Verbrauchserfassung und 
Energieanalyse das datengetriebe Gebäude der Zukunft.
Die Lösungen von Janitza ermöglichen durch Verbrauchserfassung und Energieanalyse das datengetriebe Gebäude der Zukunft. – Bild: TeDo Verlag GmbH

Das Thema Versorgungssicherheit in kritischen Infrastrukturen ist sehr präsent. Welche Rolle spielen Energiemonitoring und Netzqualitätsüberwachung bei der Resilienz von Gebäuden?

Versorgungssicherheit beginnt bei der Messung. In kritischen Infrastrukturen – etwa Krankenhäusern, Rechenzentren oder Verwaltungsgebäuden – können Netzstörungen gravierende Folgen haben. Spannungseinbrüche, Oberschwingungen oder Differenzströme bleiben ohne kontinuierliche Überwachung oft lange unentdeckt. Mit unseren Netzqualitätsanalysatoren überwachen wir Spannungsqualität nach IEC61000-4-30, Differenzströme als präventiven Brandschutz sowie Lastverteilungen und kritische Betriebspunkte. So lassen sich Störungen frühzeitig erkennen, Ausfälle vermeiden und die Resilienz der Gebäudeinfrastruktur signifikant erhöhen. Energiemonitoring wird damit zu einem zentralen Baustein der Gebäudesicherheit.

Wie helfen modulare Produkte wie das UMG 800 und das UMG 96-PQ-L-LP Energiemanagement und Energieeffizienz zu verbessern?

Modularität ist entscheidend für zukunftssichere Gebäude. Das UMG 800 ermöglicht eine flexible, nachrüstbare Verbrauchserfassung insbesondere in Bestandsgebäuden oder Verteilerschränken mit begrenztem Platzangebot. Durch OPC UA und Modbus TCP lässt es sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren. Das UMG 96-PQ-L-LP kombiniert Energieanalyse mit Netzqualitäts- und Differenzstromüberwachung in einer kompakten Bauform für die Fronttafel. Damit können Energieeffizienz, Betriebssicherheit und Brandschutz in einem System abgebildet werden. Beide Geräte unterstützen die Identifikation von Einsparpotenzialen und die Vermeidung von Lastspitzen. Durch die normkonforme Dokumentation und die Erweiterung bestehender Energiemanagementsysteme wird aus Messtechnik ein aktives Steuerungsinstrument.

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„Gebäude sind nicht nur Infrastruktur. Sie sind Lebens- und Arbeitsräume. Hier entscheidet sich, wie effizient, nachhaltig und resilient unsere Gesellschaft funktioniert.“ – Bülent Erdogan, Janitza – Bild: Janitza electronics GmbH

Die Digitalisierung schreitet voran: Welche Rolle spielen IoT, digitale Zwillinge und KI in Ihren aktuellen und zukünftigen Lösungen und der Branche?

Die Zukunft des Gebäudes ist datengetrieben. IoT-fähige Messtechnik schafft die Grundlage für digitale Zwillinge von Gebäuden. Durch standardisierte Schnittstellen wie OPC UA oder REST APIs ermöglichen wir eine herstellerunabhängige Integration in Gebäudeleittechnik und Cloud-Umgebungen. Künstliche Intelligenz wird künftig vor allem in den Bereichen Anomalieerkennung und Predictive Maintenance eine Rolle spielen. Auch die Optimierung von Lastman-agementstrategien sowie Prognosen auf Basis historischer Energiedaten sind entscheidend. Wichtig ist jedoch: KI ersetzt keine valide Messtechnik. Sie benötigt präzise, valide und hochauflösende Daten. Und genau diese liefern unsere Systeme.

Die Branche steht vor der Aufgabe, regulatorische und energietechnische Vorgaben umzusetzen. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie hier?

Regulatorische Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck. Gleichzeitig schaffen sie Planungssicherheit. Die Herausforderung liegt in der Integration bestehender Technik, der Interoperabilität und der organisatorischen Umsetzung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Die Chance besteht darin, Gebäude strategisch weiterzuentwickeln, mit höherer Energieeffizienz, geringeren Betriebskosten, verbesserter ESG-Bewertung und damit einer höheren Werterhaltung der Immobilie. Wer frühzeitig in transparente Energiemesstechnik investiert, verschafft sich diesen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Auf der Messe stand das Thema ‚Be Electrified – Electrifying Places. Illuminating Spaces.‘ im Fokus. Welchen Beitrag leisten Messtechnik und Energiemanagement, damit Gebäude nachhaltiger und zukunftsfähiger werden?

‚Be Electrified – Electrifying Places. Illuminating Spaces.‘ bedeutet für mich weit mehr als nur die zunehmende Elektrifizierung von Gebäuden. Es geht darum, Energie intelligent zu nutzen, transparent zu steuern und nachhaltig zu integrieren. Genau hier leisten Messtechnik und Energiemanagement einen entscheidenden Beitrag. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung – etwa durch Photovoltaik, Wärmepumpen, E-Mobilität oder Batteriespeicher – steigt die Komplexität der Energieflüsse im Gebäude erheblich. Strom wird nicht mehr nur bezogen, sondern erzeugt, gespeichert, verteilt und zeitlich optimiert genutzt. Ohne präzise Messtechnik fehlt die notwendige Transparenz, um diese Systeme effizient und stabil zu betreiben. Energiemesstechnik ermöglicht die Optimierung der Energieflüsse zwischen Erzeugung und Verbrauch, die Vermeidung von Lastspitzen, die effiziente Integration von erneuerbaren Energien und die transparente Erfassung von CO2-Emissionen. Ohne präzise Messung gibt es also keine zielgerichtete Steuerung. Energiemanagement ist damit der Schlüssel zur erfolgreichen Elektrifizierung von Gebäuden.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie sieht Ihrer Meinung nach das intelligent vernetzte Gebäude der nächsten Jahre aus und welchen Stellenwert nimmt das Energiemanagement ein?

Das Gebäude der Zukunft ist vollständig vernetzt, interoperabel und selbstoptimierend. Alle gebäudetechnischen Systeme – von der Energieversorgung über HKL bis zur Ladeinfrastruktur – kommunizieren herstellerunabhängig miteinander. Energieflüsse werden in Echtzeit analysiert, Abweichungen automatisch erkannt und Optimierungsmaßnahmen angestoßen. Energiemanagement ist dabei kein separates System mehr, sondern das strategische Rückgrat des Gebäudes. Es verbindet Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und natürlich regulatorische Konformität. Ich bin überzeugt: Das intelligente Gebäude der Zukunft wird nicht nur energieeffizienter sein – es wird aktiv zur Stabilisierung unserer Energiesysteme beitragen. Und genau hier sehen wir unsere Rolle als Janitza.

Kernaussagen: Effizientes Energiemanagement in Gebäuden

  • Gebäude entfalten erhebliches Einsparpotenzial in Energieverbrauch, CO2-Ausstoß und Betriebskosten und sind damit zentral für Effizienz und Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Durchgängige Transparenz via Messtechnik, normkonforme Analyse und Monitoring bildet die unverzichtbare Grundlage für optimiertes Energiemanagement und Gebäudetechnik.
  • Steigende Energiepreise, ESG-Reporting, verschärfte Regulierungen und historisch gewachsene Gebäude verlangen nach integrierter Energieeffizienz und interoperabler Technik.
  • Moderne Tools wie Visualisierungssoftware, KPI-Dashboards und Lastganganalysen ermöglichen normkonforme Steuerung (z.B. ISO50001) statt punktueller Einzelmaßnahmen.
  • Zukünftige Gebäude werden datengetrieben: IoT, digitale Zwillinge und KI sichern Echtzeit-Optimierung, Resilienz, Versorgungssicherheit und nacGebäude entfalten erhebliches Einsparpotenzial in Energieverbrauch, CO2-Ausstoß und Betriebskosten und sind damit zentral für Effizienz und Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft.