Die Gebäudewende braucht politische Weichenstellungen

Auf Einladung des ZVEI – Verband der Elektro- und Digitalindustrie diskutierten führende Branchen-Vertreterinnen und Vertreter aus NRW mit der Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, bei Gira in Radevormwald, wie sich im Gebäudesektor mehr Energieeffizienz, Klimaschutz und Innovation erreichen lassen.
Auf Einladung des ZVEI – Verband der Elektro- und Digitalindustrie diskutierten führende Branchen-Vertreterinnen und Vertreter aus NRW mit der Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, bei Gira in Radevormwald, wie sich im Gebäudesektor mehr Energieeffizienz, Klimaschutz und Innovation erreichen lassen.Bild: Gira Giersiepen GmbH & Co. KG

Wie kann der Gebäudesektor einen größeren Beitrag zu Klimaschutz, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit als bisher leisten? Welche Rolle spielen dabei intelligente Gebäudeautomation, Digitalisierung und Elektrifizierung? Über diese und weitere Fragen diskutierten auf Einladung des ZVEI Vertreterinnen und Vertreter der nordrhein-westfälischen Elektroindustrie und ihrer Branchenvereinigung mit der Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, auf dem Campus von Gira in Radevormwald.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Ergebnisse der in diesem Jahr veröffentlichten Studie ‚Einsparpotenziale durch elektrische und digitale Technologien im Gebäude‘, die der ZVEI zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI erarbeitet hat. Die Untersuchung zeigt, dass Elektrifizierung und Digitalisierung im Gebäudesektor Energie-, Kosten- und CO2-Einsparungen ermöglichen und damit einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können.

Gira Geschäftsführer Dominik Marte (3.v.l.) erläuterte Ministerin Neubaur, wie Smart-Building-Lösungen durch intelligente Gebäudeautomation und digitales Energiemanagement zu einer deutlichen Verbesserung der Energieeffizienz beitragen können.
Gira Geschäftsführer Dominik Marte (3.v.l.) erläuterte Ministerin Neubaur, wie Smart-Building-Lösungen durch intelligente Gebäudeautomation und digitales Energiemanagement zu einer deutlichen Verbesserung der Energieeffizienz beitragen können.Bild: Gira Giersiepen GmbH & Co. KG

Gebäudesektor benötigt Modernisierungsschub

Der Gebäudesektor ist von der bis 2045 angestrebten Klimaneutralität weit entfernt. Noch immer verantwortet er erhebliche Treibhausgasemissionen und verfehlt damit die Zielvorgaben des Klimaschutzgesetzes. Gleichzeitig zeigen technologische Entwicklungen, dass bereits große Einsparungen möglich sind. „Wir diskutieren in Deutschland häufig über Klimaziele. Viel wichtiger ist die Frage, wie wir sie erreichen. Eine Antwort lautet: durch einen umfassenden Modernisierungsschub für Wohn- und Nichtwohngebäude“, erklärte Gira-Geschäftsführer Dominik Marte. „Die Technologien dafür sind vorhanden. Gebäudeautomation, intelligente Vernetzung, digitales Energiemanagement, Wärmepumpen und die Integration erneuerbarer Energien ermöglichen erhebliche Fortschritte bei Energieeffizienz und Klimaschutz. Entscheidend ist jetzt, dass diese Potenziale auch in der Breite genutzt werden, und dies schnell. Was dafür fehlt, sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Investitionen erleichtern, statt sie zu verzögern.“

Die Studie von ZVEI und Fraunhofer ISI kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Endenergiebedarf von Gebäuden durch Elektrifizierung und Digitalisierung je nach Gebäudetyp im besten Fall um mehr als die Hälfte reduzieren lässt: bei Produktionsgebäuden um 52%, bei Einfamilienhäusern sogar um fast 70%. Den Primärenergiebedarf in Deutschland lassen der Untersuchung zufolge Elektrifizierung und Digitalisierung bis 2045 um rund 210TWh gegenüber dem Referenzpfad sinken. Dadurch könnten in diesem Zeitraum 98Mio.t CO2-Äquivalente vermieden werden.

Jetzt die Voraussetzungen für Investitionen schaffen

In der Diskussion machten die Vertreterinnen und Vertreter der Elektroindustrie und des Branchenverbands deutlich, dass die politischen Rahmenbedingungen so ausgestaltet werden müssen, dass Investitionen in moderne Gebäudetechnologien beschleunigt werden. Aus ihrer Sicht sind dafür insbesondere eine vollständige und rechtssichere Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD), entsprechende Anpassungen der nationalen Gesetzgebung sowie langfristige Planungssicherheit erforderlich. „Technologie allein genügt nicht“, sind sich Julia Dornwald, Geschäftsführerin der ZVEI-Landesstelle Nordrhein-Westfalen, und Dominik Marte einig. „Die Politik muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass die vorhandenen Einsparpotenziale auch tatsächlich gehoben werden können. Unternehmen, Gebäudeeigentümer und Investoren brauchen Verlässlichkeit über viele Jahre hinweg.“