Der richtige Zeitpunkt für Smart Home ist jetzt

Bildunterschrift
Bild: Wago GmbH & Co. KG

Der Bestand an Wohnungen in Deutschland umfasst rund 20 Millionen Gebäude mit mehr als 43 Millionen Einheiten. Ein Großteil davon ist älter als 25 Jahre – und elektrotechnisch auf dem Stand von vorgestern. Denn an Vernetzung, zentrale Steuerung oder gar Automatisierung hat damals kaum jemand gedacht. Auch später bei der Renovierung kam sie selten in Betracht. Zu aufwendig. Zu teuer. Mit Schmutz und Bauarbeiten verbunden.

Große Umsatzpotenziale im Bestand

Ein Umsatzpotenzial in Milliardenhöhe liegt also brach. Es schlummert ungenutzt in Miet- oder Eigentumswohnungen, in Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern. Die Transformation solcher Immobilien hin zu smarten Gebäuden kann zu einem lukrativen Geschäftsmodell werden – und sie ist obendrein krisenfest, weil die Baukonjunktur vergleichsweise wenig Einfluss auf die Nachrüstung im Bestand hat. Während steigende Kosten die Errichtung neuer Objekte bremsen, bleibt der Sanierungsbedarf hoch, auch wegen gesetzlicher Vorgaben und Energiepreisen, die eine schnelle Amortisation begünstigen. Hinzu kommen Anreize der öffentlichen Hand wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die intelligente Mess- und Regelungstechnik einschließt.

Nachholbedarf auch bei Neubauten

In Neubauprojekten sollte sich die Frage eigentlich gar nicht stellen, doch auch hier bleiben die Möglichkeiten vernetzter Haustechnik häufig ungenutzt. Das Budget für kabelgebundene Bus-Installationen ist Kunden mit knappem Budget schwer zu vermitteln. Und der Mangel an Fachkräften begrenzt die Zahl realisierbarer Projekte zusätzlich. Elektro-Fachbetriebe haben die Wahl: Sie können ihre Mitarbeiter auf KNX schulen, ein herstellerübergreifendes und leistungsfähiges, aber komplexes System. Oder sie spezialisieren sich auf Lösungen einzelner Anbieter – inklusive aller Abhängigkeiten und Einschränkungen, die solch ein proprietäres System mit sich bringt. Beides hat seine Berechtigung, aber bislang nicht zum gewünschten Erfolg geführt – auch weil Kunden und Elektriker oft nicht zwingend einen Bedarf sahen.

Wago Home Automation besteht aus acht Funkmodulen, aufgeteilt auf die 
Varianten Matter over Thread und Matter over WiFi. Das Home Setup in der Wago App sorgt für eine unkomplizierte Inbetriebnahme.
Wago Home Automation besteht aus acht Funkmodulen, aufgeteilt auf die Varianten Matter over Thread und Matter over WiFi. Das Home Setup in der Wago App sorgt für eine unkomplizierte Inbetriebnahme. – Bild: Wago GmbH & Co. KG

Trendwende im Smart-Home-Markt?

Doch der Markt verändert sich. Unternehmen wie Wago treiben als Partner des Fachhandwerks neue Entwicklungen voran. Als Erfinder der wartungsfreien Federklemmtechnik hat das Unternehmen die Arbeit von Elektrikern erleichtert. Nun geht es darum, die alltägliche Arbeit nicht nur einfacher und nachhaltiger zu gestalten, sondern sie auch zukunftssicher zu machen. Spätestens mit der Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2024/1275) in diesem Jahr müssen neue oder umfassend sanierte Wohngebäude bestimmte Automatisierungsfunktionen erfüllen (Artikel 13, Absatz 11 EPBD3). Für Nichtwohngebäude sind die Vorgaben noch umfassender. Alle Mitgliedstaaten der EU haben bis Mai Zeit, die Richtlinie in nationales Recht zu überführen. Egal, wie deren Umsetzung am Ende aussieht: Mit der neuen Produktfamilie Wago Home sollen Fachbetriebe auf der sicheren Seite sein. Das Sortiment an Schalt-, Dimm-, und Jalousie-Aktoren verwandelt die traditionelle Elektroinstallation in ein smartes Gebäudenetzwerk – ohne viel Aufwand oder Änderung der gewohnten Arbeitsweise. Dabei versprechen die Komponenten Flexibilität und Zukunftssicherheit, weil sie auf dem internationalen Smart-Home-Standard Matter basieren.

Die Vorteile des Matter-Standards

Als herstellerübergreifende Initiative bringt Matter ganz unterschiedliche Unternehmen zusammen. Zu den mehr als 600 Mitgliedern der Connectivity Standards Alliance (CSA), die den Standard als Dachorganisation verwaltet, gehören Plattformbetreiber wie Amazon, Apple und Google. Elektro-Konzerne wie ABB, Legrand und Siemens finden sich ebenso darunter wie Hausgeräte-Marken von Bosch bis Samsung sowie namhafte Chip-Hersteller. Weit über 400 Unternehmen haben bereits Produkte für die Matter-Zertifizierung bei der CSA eingereicht. Das Ziel ist Interoperabilität: Matter-Produkte wie auch die neuen Komponenten von Wago sind auf keine bestimmte Steuerung festgelegt. Sie funktionieren in Smart-Home-Ökosystemen von Apple oder Google ebenso wie mit der Open-Source-Software Home-Assistant oder an einem KNX-Server, der Matter als Verbindungsprotokoll unterstützt. Das schafft eine neue, breite Basis für die Gebäudeautomatisierung.

Die Installation gelingt im Handumdrehen dank wartungsfreier Federklemmtechnik, werkzeugloser Hebeltechnologie sowie ergonomischer Produktform.
Die Installation gelingt im Handumdrehen dank wartungsfreier Federklemmtechnik, werkzeugloser Hebeltechnologie sowie ergonomischer Produktform. – Bild: Wago GmbH & Co. KG

Automation für alle: der Ikea-Effekt

Über Matter-Unterstützer wie Ikea kommen Konsumenten mit dem Thema Smart Home in Kontakt, die sich bislang nicht dafür interessiert haben. Der Einrichtungskonzern bietet zertifizierte Leuchtmittel, Sensoren und Fernbedienungen an. Er integriert den Standard aber auch in dekorative Leuchten, die sich drahtlos damit steuern lassen. Ledvance (Osram) verfolgt eine ähnliche Strategie und Signify, das Unternehmen hinter Philips Hue, zählte zu den ersten Matter-Befürwortern überhaupt. Ob Funksteckdosen, Heizungsregler, Saugroboter, Kühlschränke, Klimageräte oder Luftreiniger: Die Technologie kommt in immer mehr Alltagsprodukten an. Die jüngsten Spezifikationen (Matter 1.5) fügten Kameras als letzte große Produktkategorie hinzu. Kompatible Modelle sind für das Frühjahr 2026 angekündigt. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Fachbetriebe in den Haushalten auf Matter-Produkte ihrer Kunden stoßen – und auf den Wunsch, diese mit traditionellen Lichtschaltern, Steckdosen oder Rollladenantrieben zu kombinieren.

Vorhandene Infrastruktur nutzen

Ein Unterschied zur traditionell vernetzten Installation: Matter setzt keine eigene Bus-Infrastruktur voraus. Der Standard baut auf vorhandene Funknetzwerke auf. Für WLAN-Produkte genügt ein Internet-Router, wie ihn 90 Prozent der deutschen Haushalte ohnehin besitzen. Das alternative Thread-Protokoll verlangt zusätzlich einen sogenannten Border Router. Er dient als Vermittler und verbindet das energiesparende, sich selbst vergrößernde Mesh-Netz von Thread mit der heimischen IP-Infrastruktur. In aller Regel ist dieser Border Router aber keine separate Hardware. Matter-Unterstützer wie Amazon, Apple oder Google bauen die Funktion in smarte Lautsprecher und Bildschirme ein. Firmen wie Busch-Jaeger, Aqara oder Ikea statten ihre Steuerzentralen damit aus. Und Samsung hat begonnen, weite Teile seines Portfolios entsprechend zu bestücken – von Smart-TVs über PC-Monitore, Projektoren und Soundbars bis zu WLAN-fähigen Waschmaschinen. Die Stoßrichtung ist klar: Thread soll zu Hause so selbstverständlich werden wie heute ein WiFi-Netzwerk.

Installation ohne technischen Ballast

Der vielleicht größte Vorteil für Fachbetriebe liegt in der einfachen Installation. Unterputz-Module wie die neue Wago Home Automation Serie werden in eine Installationsdose gesetzt und wie üblich angeschlossen – ohne Vorbereitung oder besonderes Werkzeug und stromlos parametrierbar mit dem Feature Home Setup in der Wago App. Dafür werden die Geräte schnell und intuitiv einem Projekt hinzugefügt, wie der Scan eines Bezahlcodes in der Banking-App oder die Anzeige der Speisekarte im Restaurant mittels QR-Code. Die zusätzlich neu entwickelte App des Herstellers für Smart-Home-Nutzer, die Wago Home Setup App, verbindet sie mit dem Funknetz am Montageort. Sie beschleunigt den Datenimport und erleichtert die Integration in die gewählte Smart-Home-Zentrale. So wird es möglich, den gewohnten Arbeitsablauf beizubehalten und trotzdem eine Installation zu schaffen, die den wachsenden Anforderungen an Gebäude gewachsen ist. Im Hintergrund: die Sicherheit eines herstellerneutralen Standards, wie es ihn seit der Gründung von KNX vor 35 Jahren nicht mehr gegeben hat.

Fazit

Verglichen mit dem großen Feldbus ist die Matter-Initiative noch jung – erste Spezifikationen wurden im Herbst 2022 veröffentlicht-, sie zeigt aber schon große Wirkung. Hersteller mit proprietären Funkprotokollen passen ihre Systeme an, sie bringen Übersetzer in Form einer Matter Bridge auf den Markt. KNX-Server oder -Gateways sorgen mit Schnittstellen für Koexistenz. Und die Zahl der CSA-Mitgliedsunternehmen, die Matter-Produkte entwickeln und zertifizieren, steigt. Der Zeitpunkt für Fachbetriebe, das Thema Smart Home neu zu entdecken, ist also günstig. Unternehmen wie Wago stehen mit ihrer langjährigen Expertise und Qualitätsstandards zur Seite.