
Geben Sie uns einmal eine Definition vom Begriff Nachhaltigkeit. Wo liegt die Verantwortung der Branche?
Nachhaltigkeit in Bezug auf die Elektroinstallation bedeutet, elektrische Anlagen so zu planen, zu errichten und zu betreiben, dass sie ökologisch verträglich, wirtschaftlich sinnvoll, langfristig nutzbar und gegebenenfalls in Teilen wiederverwendbar sind. Und das mit dem Anspruch, nicht auch noch die Ressourcen zukünftiger Generationen zu gefährden. Die Elektrobranche trägt hierbei eine Schlüsselverantwortung, den Energieverbrauch zu minimieren, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben und Ressourcen effizient zu nutzen. Ganz klar: Ohne die Elektrobranche ist die Energiewende und der damit verbundene Klimaschutz nicht umsetzbar.
Welche Vision verfolgt OBO konkret für eine nachhaltige Entwicklung der Energie- und Dateninfrastruktur?
Unsere Vision im Bereich der Ökologie ist die unternehmensweite CO2-Reduktion durch mehr Energieeffizienz in all unseren Bereichen und einen Schwerpunkt auf dem Einsatz von CO2-reduzierten oder recyceltem Material. Wir machen uns aber auch bereits Gedanken zur Wiederverwendung unserer Produkte z.B. am Ende eines Gebäude-Lebenszyklusses oder bei einer Umnutzung. Hier kommen auch auf die Hersteller zukünftig neue Anforderungen oder Geschäftsmodelle im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu.
Welche zentralen ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele verfolgt Ihr Unternehmen parallel?

Neben den vorweg genannten ökologischen Themen ist es natürlich unser Anliegen, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen sicheren und gesunden Arbeitsplatz zu bieten und auch unternehmensweit die Sensibilität für Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsthemen zu erhöhen, z.B. durch entsprechende kontinuierliche Weiterbildungsmaßnahmen. Im Bereich der Ökonomie wird unser Schwerpunkt in den kommenden Jahren u.a. auf einer nachhaltigen Produktentwicklung durch den Einsatz entsprechender Rohstoffe und nachhaltiger Funktionalität, also Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit liegen (Design for Recycling).
Wie werden diese Ziele im Unternehmensalltag konkret umgesetzt? Wie messen Sie die Wirksamkeit?
Wir haben einen Bereich für Nachhaltigkeit und entsprechende Teams im Unternehmen, die bereichsübergreifend in regelmäßigen Meetings an diesen Aufgaben arbeiten. Übergreifend kann man sicherlich hierzu sagen, dass wir alle unsere Maßnahmen seit 2022 in unserem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Hier finden sich auch die entsprechenden Kennzahlen und Erfolge der verschiedenen Initiativen wieder. Viele Maßnahmen haben unmittelbar Einfluss auf unsere Produkte. Um dies auch nachhaltig zu dokumentieren, weisen wir seit Mitte 2025 für jedes einzelne unserer Produkte den CO2-Fußabdruck in unserem Onlinekatalog aus. Damit zählen wir in unsere Branche sicherlich zu den wenigen Herstellern, welche dazu heute bereits in der Lage sind. Mit führenden Lösungen für Überstrom- und Überspannungsschutz erhöht Mersen die Betriebssicherheit in Industrie und Gebäuden. ‣ weiterlesen
WIR SCHÜTZEN IHRE ANLAGEN
Welche Rolle spielen Ressourcenschonung und der Einsatz nachhaltiger Materialien in Ihren Produkten?
Eine ganz wesentliche. Gerade der Einsatz nachhaltiger Materialien spielt bereits aktuell und auch zukünftig eine wesentliche Rolle bei uns im Unternehmen. Aber auch in unseren Produktions- und Logistikprozessen achten wir sehr stark auf die effektiven Prozesse und die Verwendung nachhaltiger Ressourcen. So arbeiten wir an unseren beiden größten Produktionsstandorten in Deutschland und Ungarn zu 100 Prozent mit nachhaltigem Grünstrom. Hiervon produzieren wir durch eigene große Photovoltaikanlagen bis zu 60 Prozent des täglichen Bedarfes selber, den Rest kaufen wir teilweise schon seit dem Jahre 2012 zu.
Gibt es Lösungen, die speziell zur Ressourceneinsparung entwickelt wurden?
Zahlreiche Lösungen haben wir in den letzten Jahren umgesetzt, die sich mittelbar oder unmittelbar auf unser Spektrum auswirken. Ab der Weltleitmesse Light & Building im März werden wir alle unsere nachhaltigen Produkte aus den verschiedenen Systembereichen unter dem Begriff OBO-EcoLine bündeln und vermarkten. Wen das interessiert, lade ich gerne ein, unseren Stand in Halle 12.1, E91 zu besuchen.
Sie verpflichten sich dazu, Ihre Lieferkette in Klimaschutzmaßnahmen einzubinden. Wie genau funktioniert das?
Gemäß dem deutschen Lieferkettengesetz (LkSG) verfügt OBO natürlich über ein Risikomanagementsystem zur Achtung der Menschenrechte und des Umweltschutzes für den eigenen Geschäftsbereich sowie für unsere Lieferanten. Das Risikomanagementsystem besteht im Kern aus der Risikoanalyse, um erhöhte Risiken oder Vorfälle von Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen wie z.B. Kinder- und Zwangsarbeit, ungenügende Arbeitssicherheitsstandards und Diskriminierung zu identifizieren. Die kann man alles in unserem Nachhaltigkeitsbericht und in unserer LkSG-Grundsatzerklärung nachvollziehen.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell bei der Umsetzung Ihrer Nachhaltigkeitsziele?
Alle Maßnahmen bedingen natürlich den umfangreichen Einsatz interner Ressourcen und verursachen zusätzliche Kosten. So sind nachhaltige Materialien heute natürlich größtenteils noch teurer in der Beschaffung. Dies müssen wir letztendlich natürlich an den Kunden auch so weitergeben. Hier ist es gerade in Deutschland in vielen Fällen aber noch nicht so, dass dies vom Markt (Kunden) auch so gesehen und akzeptiert wird. Da muss noch ein Umdenken stattfinden, was z.B. in einigen anderen Ländern wie im skandinavischen Raum schon deutlich weiterentwickelt ist.
Wo steht die Elektroinstallationsbranche in fünf Jahren bezüglich Nachhaltigkeit?
Die Elektroinstallationsbranche, also Hersteller von Systemen, Installateure, Planer und auch Handel, machen aktuell Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit, wenn auch langsam. In einigen Jahren (ca. 2030) dürfte sich dieser Trend gestützt durch regulatorische Anforderungen (z.B. EU-Ökodesign, Energie- und Klimagesetze), steigende Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen und digitalisierte Planungsprozesse aber weiter verstärken. Seitens OBO wollen wir da natürlich dabei sein und ein wesentlicher Player in dieser Thematik bleiben.
Wie trennt man da sinnvolle Maßnahmen von Greenwashing und Lippenbekenntnissen?
Durch Zahlen, Fakten und Transparenz. Wir versuchen alle unsere Maßnahmen durch Zahlen und Fakten zu belegen, damit diese auch nachvollziehbar sind. Ein ganz einfaches Beispiel ist hier der bereits erwähnte CO2-Fußabdruck bezogen auf den einzelnen Artikel. Wenn wir hier Maßnahmen umsetzen und stellen von einem Standardmaterial z.B. auf ein nachhaltiges Rezyklat um, so kann man hier ganz klar den alten PCF dem neuen gegenüberstellen und erhält über die Reduktion und die Mengen eine nachvollziehbare jährliche CO2-Einsparung z.B. in Tonnen. Hier möchten wir uns deutlich von denen unterscheiden, die auch in dieser Richtung kommunizieren, den Nachweis solcher Maßnahmen bisher aber schuldig geblieben sind. Unsere Transparenz zeigt sich auch auf unseren Webseiten, wo wir unter dem Menüpunkt Nachhaltigkeit alle Themen offen und transparent darstellen.















