Jung Gründervilla wird zum Kommunikationsort

JUNG Gruendervilla
Bild: ©Henrik Schipper/Albrecht Jung GmbH & Co. KG

Der einstige Wohnsitz des Firmengründers Albrecht Jung in Schalksmühle findet als Think Tank, Begegnungs- und Dienstleistungszentrum der Marke Jung eine neue Bestimmung. Die Sanierung der historischen Villa aus dem Jahr 1928 und die Erweiterung um einen modernen Pavillon wurden von NGA Nehse & Gerstein Architekten BDA aus Hannover als Sieger eines offenen Architekturwettbewerbs realisiert.

Die Jung Gründervilla ist kein Showroom, sondern soll als multifunktionales Büro-, Veranstaltungs- und Wohngebäude dienen. Die Gebäudetechnik des Ensembles setzt auf regenerative Energien, auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und – anders als man es von einem Hersteller für Gebäudetechnik vermuten könnte – auf einen auf das Notwendige reduzierten Technikeinsatz.

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Bild: ©Henrik Schipper/Albrecht Jung GmbH & Co. KG

Die Historie

Die Villa im Gründerzeitstil wurde 1928 neben der damaligen Fertigung errichtet. Zeitgleich fand der Bau einer neuen Produktionsstätte am Fuße der Villa statt. Nachdem dieser fertiggestellt war, zog die Produktion in den Neubau und das Gewächshaus neben der Villa wurde rückgebaut. Seither thronte die Villa herrschaftlich auf einem Hügel über der Fertigungsstätte und diente der Familie Jung über drei Generationen als privater Wohnsitz. Die Produktion und Verwaltung von Jung wurden Mitte der 1970er-Jahre einige Kilometer entfernt angesiedelt, die Villa blieb aber noch bis ins Jahr 2015 der Familienwohnsitz. Statt eines Verkaufs entschied sich Harald Jung mit den Gesellschaftern dafür, dem Gebäude zukünftig eine neue und moderne Nutzung zu geben.

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Bild: ©Henrik Schipper/Albrecht Jung GmbH & Co. KG

2017 wurde ein offener Wettbewerb für Architekturbüros ausgelobt. Der Wettbewerb richtete sich ausschließlich an junge Büros, deren Gründung nicht länger als fünf Jahre zurückliegen durfte. Eine Jury bestehend aus Peter Cachola Schmal vom Deutschen Architekturmuseum sowie den Architektinnen und Architekten Sabine Keggenhoff, Jan Kleihues, Elke Reichel, Roger Riewe und Michael Schumacher durfte sich über 33 Einreichungen aus der D-A-CH-Region und den Benelux-Ländern freuen. Den ersten Preis vergaben die Preisrichter an NGA Nehse & Gerstein Architekten BDA.

Die Villa und ihr Neubau

Im Rahmen der Sanierung wurde die Villa für die zukünftige Nutzung umgebaut und größtenteils wieder in ihren historischen Originalzustand zurückversetzt. Durch die Hanglage konnte das ehemalige Kellergeschoss zum vollwertigen Stockwerk ausgebaut werden, in dem nun Arbeitsräume angesiedelt sind. Die Innenarchitektur des Erdgeschosses wirkt mit hellen Holzböden, einem abgestimmten Farbkonzept und schlicht reduzierten Details sowie flächigen Möbeleinbauten zeitlos. Hier sind vor allem neue Empfangs- und Besprechungsräume angeordnet. Im Obergeschoss befinden sich weitere Büroräume, während im Dachgeschoss zwei Apartments angeordnet sind. Eine Unterfangung des Kellergeschosses und das partielle Ergänzen eines neuen Geschosses ermöglichen den nahtlosen Anschluss des Neubaus an die Villa. Der schlichte Neubau, in dem sich die sogenannte Schalterhalle befindet, ist über eine Stahltreppe mit dem Altbau verbunden. Der Neubau hebt sich gestalterisch mit Kassettendach, Sichtbeton und Glas deutlich von der Villa ab.

Die Technik

Die Gründervilla und ihr Anbau sind mit einer Luft-Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen ausgestattet. Die Regelung der Heizung und Kühlung der einzelnen Räume erfolgt über KNX-Raumthermostate. Zur Warmwasserbereitung wurde eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Invertertechnik installiert. Die Belüftung der Villa erfolgt natürlich, lediglich ergänzt durch Abluftventilatoren in den WCs, Küchen und Bädern. Im Neubau mit Veranstaltungssaal wurde ein zentrales Kompaktlüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Die Lüftungsanlage ist über die Gebäudeautomation mit der Regelung der Wärmepumpe verbunden und kann auch manuell über die KNX-Raumthermostate sowie über ein Control Panel gesteuert werden. Letztere kommen aus der hauseigenen Produktlinie, so wie die gesamte intelligente KNX-Technologie von Alt- und Neubau.

Ein Smart Visu Server steuert die Technik im Hintergrund. Im Ensemble wurden 490 Einbaugeräte der Programme LS 990 und LS Zero wie Steckdosen, F 40 Taster, LS TOUCH Raumcontroller, LAN-Dosen, USB-Ladegeräte, KNX-Präsenzmelder, DAB+ Radios und eine KNX-Wetterstation verbaut. Im Erdgeschoss der Villa mit den öffentlichen Funktionen kamen für Schalter, Steckdosen, Taster und Raumkontroller Farben aus der Reihe Les Couleurs Le Corbusier zum Einsatz. Die 300 Innen- und 200 Außenlichtpunkte werden über mehrere DALI-Gateways szenariengesteuert und sorgen – unterstützt durch Bewegungsmelder – für Lichtkomfort, Energieeffizienz und Sicherheit. Auf dem Dach der Villa wurden PV-Module nahezu unsichtbar installiert. Ein Batteriespeicher versorgt damit zwei Wallboxen zum Laden von Elektrofahrzeugen.

Die Zukunft

Jens Stoll, Leiter Produktmanagement bei Jung und als Bauherrenvertreter verantwortlich für die technische Ausstattung der Gründervilla, erklärt: „Es ging nie darum, eine Leistungsschau des eigenen Produktportfolios abzubilden, sondern die langfristig beste und nachhaltigste Lösung zu finden.“ Dazu gehörte die Entscheidung, die KNX-Technologie nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand einzusetzen. Denn trotz der zunächst aufwendigeren Installation der Busleitungen bietet die Ausstattung für die Multifunktionsnutzung im laufenden Betrieb langfristig Vorteile. Die Herausforderung für die Gebäudetechnik bestand darin, Lösungen zu finden, die sich flexibel an Schwankungen der Nutzungsfrequenz anpassen lassen und gleichzeitig die ökologisch und ökonomisch beste Variante darstellen. Der KNX-Standard mache dies möglich.