Gebäudeöffnung wird zu einem Schlüssel der Energiewende

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Bild: ©Frank Eppler / Landesmesse Stuttgart GmbH & Co. KG

Steigende Temperaturen und die novellierte EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) verändern die Anforderungen an Gebäude grundlegend. Neben der Reduzierung des Heizenergiebedarfs rückt der sommerliche Wärmeschutz zunehmend in den Fokus. Entscheidend ist dabei das intelligente Zusammenspiel von Fenstern, außenliegendem Sonnenschutz und Gebäudeautomation. Wie sich diese Komponenten zu energieeffizienten und klimaresilienten Gesamtsystemen verbinden lassen, zeigt die R+T – Weltleitmesse für Rollladen, Tore und Sonnenschutz – vom 15. bis 19. Februar 2027 in Stuttgart.

Lange lag der Schwerpunkt der Gebäudeenergiepolitik auf der Reduzierung von Heizwärmeverlusten. Mit zunehmenden Hitzeperioden rückt jedoch der Schutz vor sommerlicher Überhitzung in den Mittelpunkt. Hochgedämmte Gebäude benötigen wirksame Strategien, um den Wärmeeintrag zu begrenzen und den Kühlenergiebedarf zu reduzieren. Orientierung bietet die von der European Solar Shading Organisation (ES-SO) entwickelte Kühlleiter (Ladder of Cooling). Sie beschreibt eine klare Reihenfolge: Zunächst sollen passive Maßnahmen wie Begrünung, Verschattung und außenliegender Sonnenschutz den Wärmeeintrag verhindern. Erst danach folgen natürliche Lüftungskonzepte, etwa die automatisierte Nachtauskühlung. Aktive Kühlsysteme kommen erst zum Einsatz, wenn diese Potenziale ausgeschöpft sind.

„Mit der Kühlleiter möchten wir Politik, Planenden und der Bauwirtschaft ein praxisnahes Instrument an die Hand geben, das den sommerlichen Wärmeschutz als festen Bestandteil nachhaltiger Gebäude etabliert. Dass die ES-SO seit 2026 ein fachlicher Träger der R+T ist, unterstreicht unseren Anspruch, diese Themen europaweit voranzutreiben und den Austausch zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik weiter zu stärken“, betont ES-SO-Präsident Anders Hall. Wirksamer sommerlicher Wärmeschutz entsteht nicht durch Einzelprodukte, sondern durch das Zusammenspiel aller Komponenten an der Gebäudeöffnung. Fenster steuern Tageslicht, Belüftung und solare Wärmegewinne. Ihr volles Potenzial entfalten sie jedoch erst in Kombination mit außenliegendem Sonnenschutz und intelligenter Steuerung. Außenliegende Verschattung verhindert, dass Sonnenenergie überhaupt durch die Verglasung in das Gebäude gelangt. Dynamische Systeme reagieren auf Wetter und Jahreszeit.

Die Anforderungen an Energieeffizienz, Klimaanpassung und Nutzerkomfort verändern die Bau- und Gebäudetechnik grundlegend. Hersteller entwickeln ihre Lösungen zunehmend als aufeinander abgestimmte Systeme, die Fenster, Sonnenschutz, Antriebstechnik, Automation und Fassadenlösungen intelligent miteinander verbinden. Damit rückt die gesamte Gebäudeöffnung als funktionale Einheit in den Mittelpunkt. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei die Gebäudeautomation. Smart-Home-Technologien vernetzen Fenster, Rollläden, Raffstores, Textilscreens sowie Lüftungs- und Steuerungssysteme zu einem intelligenten Gesamtsystem. Sensoren erfassen Sonneneinstrahlung, Wind, Außentemperatur und Raumklima, ergänzt durch Wetterprognosen. Auf dieser Grundlage reagiert das Gebäude automatisch und verhindert eine Überhitzung oder Unterkühlung bereits, bevor sie entsteht.

Für den Fensterbau, Sonnenschutzfachbetriebe, Planung und das Elektrohandwerk eröffnet diese Entwicklung neue Marktchancen. Diesen Wandel greift auch die R+T 2027 auf. Gemeinsam mit ihren fachlichen und ideellen Trägern, den ausstellenden Unternehmen sowie Partnerinnen und Partnern des umfangreichen Rahmenprogramms zeigt sie, wie vernetzte Lösungen für energieeffiziente und klimaresiliente Gebäude entstehen. Im Mittelpunkt stehen intelligente Antriebstechnik, adaptive Sonnenschutzsysteme, automatisierte Steuerungen sowie integrierte Fenster- und Fassadenkonzepte. „Die Zukunft der Gebäudehülle liegt nicht in einzelnen Produkten, sondern im intelligenten Zusammenspiel aller Gewerke. Nur wenn Fensterbau, Sonnenschutz, Automation, Fassadentechnik und Planung frühzeitig zusammenarbeiten, entstehen Lösungen, die den steigenden Anforderungen an Energieeffizienz, Klimaanpassung und Wohnkomfort gerecht werden“, sagt Sandra Musculus, Vorsitzende der IVRSA und Präsidentin des ITRS.