Analogabschaltung: Kopfstellen bereiten Probleme!

Analogabschaltung: Kopfstellen bereiten Probleme!

In rund 200 Tagen endet unwiderruflich das analoge Satelliten-TV. Aktuelle Studien gehen noch von 2,3 bis 2,5Mio. analogen Satellitenhaushalten aus. Demnach müssen bundesweit nach Schätzungen des Fachverbandes Satellit & Kabel im ZVEI jeden Werktag mindestens 18.000 digitale Sat-Receiver über den Ladentisch gehen. Hinzu kommen immer noch rund 40.000 Gemeinschaftsempfangsanlagen und Kopfstellen mit bis zu zwei Millionen Haushalten, die umzurüsten sind.
Die Digitalisierungskampagnen wirken. Mitte 2011 hatten laut dem Anfang September erschienen Digitalisierungsbericht 2011 der Landesmedienanstalten lediglich 442.000 der betroffenen Sat-Haushalte nichts von der Analogabschaltung gehört. Sechs Monate zuvor waren dies noch 1,4 Millionen. Zeitgleich sank die Zahl der analogen Satellitenhaushalte laut der gleichen Quelle von 3,057 auf 2,297 Millionen. Die Sender und die Initiative klardigital.de starteten zur IFA ihre nächste Informationskampagne. Weitere sollen im Weihnachtsgeschäft und in den letzten Monaten vor der endgültigen Abschaltung folgen.

Astra-Reichweitenstudie: Über 66% aller TV-Haushalte digital

Der Digitalisierungsgrad in den deutschen Wohnzimmern steigt stetig. Laut den jüngsten Astra-Zahlen gab es Mitte 2011 rund 25Mio. digitale TV-Haushalte. Von den rund 37,7Mio. TV-Haushalten der Astra-Reichweitenstudie nutzen damit schon über 66% einen der digitalen Empfangswege Satellit, Kabel, DVB-T oder IPTV.

Absatz Digitalreceiver steigt 2011

Nach aktuellen Marktdaten der gfu/GFK setzte der Handel 2010 rund 4Mio. digitale Satellitenreceiver, darunter 2,3Mio. für den Empfang von HD-Programmen ab. Hinzu kamen 694.000 digitale Kabelreceiver (HDTV DVB-C 475.000) sowie 666.000 DVB-T-Receiver. 2011 hat es laut Fachverband Satellit & Kabel ein schwaches erstes Halbjahr mit einem Rückgang von 25% bei HD-Receivern gegeben. Für die zweite Hälfte ist man vor allem auch durch die Informationskampagnen zur Analogabschaltung deutlich optimistischer. So soll nach Prognosen des Handels der Absatz der HDTV-Sat-Receiver mit 3,6Mio. fast drei Mal so hoch liegen wie der Verkauf von SD-Sat-Receivern mit nur 1,24Mio. Stück. Bei kaum noch vorhandenen Preisdifferenzen in der HD-Einstiegsklasse dürfte sich dieses Verhältnis im kommenden Jahr weiter Richtung HDTV verstärken.

Erfolgsgeschichte HDTV

HDTV ist seit dem Start zu den Olympischen Winterspielen 2010 eine Erfolgsgeschichte. Dies drückt sich nicht nur im Boom bei HD-Receivern aus, deren Absatz Ende 2010 bei 2,9Mio. Geräten lag und in diesem Jahr etwa 4,4Mio. Stück erreichen soll. Auch bei Umsatzentwicklung zeigt sich der HDTV-Erfolg. Trugen HD-Receiver 2009 mit 49% zum Gesamtumsatz von 471Mio. Euro bei, belief sich deren Anteil 2010 schon auf 74% bei einem stark gestiegenen Gesamtumsatz von 612Mio. Euro. Bis Ende 2011 erwarten Marktforscher und Industrieverbände über 39Mio. hochauflösende TV-Geräte, davon 20Mio. mit bereits integrierten HD-Empfängern, in den deutschen Haushalten. Allein in diesem Jahr soll danach der Handel ca. 10Mio. HDTV-Geräte verkaufen, wobei sich 11Mio. HDTV-Set-Top-Boxen in deutschen Haushalten befinden.

Hohes wirtschaftliches Potenzial für Handel und Handwerk

Astra rechnet aktuell mit 2,5Mio. analogen Haushalten, die handeln müssen. Der ZVEI-Fachverband Satellit & Kabel nannte in einer Veranstaltung Mitte Juli eine konservative Zahl von 18.000 digitalen Endgeräten, die ab sofort werktäglich bis zum 30. April 2012 zu verkaufen und installieren sind. Geht man realistisch von durchschnittlich zwei Empfangsgeräten je Haushalt aus, dürften die Verkaufszahlen sogar noch deutlich höher liegen. Bei einem von der GFK angenommen Durchschnittspreis von 107 Euro je Receiver entspräche dies einem Umsatzpotenzial von bis zu 500 Mio. Euro. Hinzu kommen je nach Alter auszutauschende SAT-Spiegel und LNBs. Unter der Annahme Beratung, Material, Austausch- und Installationszeit bei 2/3 der analogen Anlagen (Ø200 Euro je Anlage) ergibt sich für Fachhandel und Installationsbetriebe ein zusätzliches Potenzial von mindestens 300Mio. Euro.

Noch 40.000 Kopfstellen

Weitere sehr wichtige Impulse für Installationsbetriebe und Fachhandel gehen von Gemeinschaftsempfangsanlagen und kleinen Kopfstellen aus. Der ZVEI-Fachverband Satellit & Kabel rechnet mit rund 40.000 Kopfstellen, die im Zuge der Analogabschaltung beim Satelliten noch umzustellen sind. Dies entspricht nach heutigem Stand an jedem Werktag bis Ende April 2012 über 200 Kopfstellen. Wichtigste Zielgruppen hierbei sind nach wie vor Hotels, Krankenhäuser, Altenheime und die Wohnungswirtschaft. Bei niedrig angesetzten durchschnittlichen Investitionen von 3.000 Euro je Kopfstelle entspricht dies einem Volumen von mindestens 120Mio. Euro für Fachbetriebe.

Verhaltene Investitionsbereitschaft

Bei sehr vielen betroffenen Anlagenbetreibern ist das Thema noch gar nicht angekommen, sind die Entscheidungswege, wie etwa in der Wohnungswirtschaft, extrem lang, oder herrscht die Meinung vor, die Analogabschaltung wird verschoben. Diese zögerliche Haltung bereitet inzwischen auch Johann Peter Pfeifer, Sprecher des Bereichs ‚Informationstechnik‘ im ZVEH ernsthafte Sorgen, wie er jüngst in einem Interview äußerte. Viele Vertreter von Installationsbetrieben gehen inzwischen sogar nüchtern davon aus, dass sich die Umrüstung eines Großteils der noch vollständig oder teilweise analogen 40.000 Anlagen bis ins Jahr 2013 hineinziehen wird. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Mit den Themen Kopfstelle und Gemeinschaftsempfang befassen sich immer weniger Fachbetriebe. Hinzu kommen ein akuter Fachkräftemangel und der Fakt, dass diese Betriebe bereits heute sehr gut mit Umstellungsaufträgen ausgelastet sind. Auch die Hersteller von Kopfstellen und Technik für Gemeinschaftsempfangsanlagen warnen. Kein Hersteller legt sich größere Lager an. Zudem sind dringend benötigte Komponenten knapp. Die Bestellzeit liegt derzeit je nach Chiphersteller zwischen vier und sechs Monaten.

Gute Beratung gefragt

Fällt eine positive Investitionsentscheidung, sollten Fachbetriebe bei Kopfstellen unbedingt auf Flexibilität, Vielseitigkeit und Zukunftssicherheit achten. Neben dem Einspeisen verschlüsselter und unverschlüsselter SD- und HD-Programme in unterschiedliche digitale Formate wie etwa QAM oder COFDM verlangt vor allem die Wohnungswirtschaft eine Re-Analogisierung der TV-Signale, also den Rückwandel empfangener digitaler Programme in analoge. So schreiben viele Wohnungsgesellschaften beim Abschluss neuer Verträge eine Analoggarantie von zehn Jahren vor. Ein immer wichtiger werdendes Thema ist IPTV, also die Übertragung von Fernsehen über IP-Netze. Treiber werden hier zukünftig Hotels sein, die ihren Gästen neben schnellem Internet eine attraktive TV-Auswahl anbieten wollen. Auch Krankenhäuser erkennen zunehmend den Wert von höherwertigen TV- und Internetangeboten etwa für Privatpatienten.

Umrüststau vermeiden

Installationsbetriebe und der Fachhandel sind gut beraten, ihre Kunden möglichst rasch anzusprechen. Es darf in den noch verbleibenden sieben Monaten kein Umrüststau entstehen, der im schlimmsten Falle zu schwarzen Bildschirmen bei nicht digitalisierten Kopfstellen und Einzelhaushalten führt. Erfahrungsgemäß wird sich in den letzten Monaten bis Ende April 2012 alles vom Verkauf bis zur Installation ballen, da die meisten Betroffenen erst kurz vor Toresschluss ihre Entscheidungen fällen. Umfassende Beratung und Aufklärung sind daher aktuell die drängendsten Aufgaben. Aktiven Fachbetrieben eröffnet sich zudem die Chance, in den kommenden Monaten von attraktiven Umsatzpotenzialen zu profitieren, die es nach der Umstellung in dieser Form nicht mehr geben wird.

Kasten: Einfacher Test über die Videotextseite 198

Die Initiative klardigital.de weist auf eine einfache Testmöglichkeit hin. Haushalte mit Satellitenempfang den Status Ihrer Empfangsanlage ganz einfach prüfen. Hierzu rufen Zuschauerinnen und Zuschauer bei den Programmen Das Erste, ProSieben, RTL, SAT.1, ZDF oder Bayerisches Fernsehen, die Videotextseite 198 auf. Wenn dort ein Hinweis auf die Abschaltung des analogen Satellitensignals erscheint, ist der Satellitenempfang noch analog. Beim Hinweis ‚Sie empfangen bereits digital‘ besteht kein Handlungsbedarf.

Wisi Communications GmbH & Co. KG
www.wisi.de

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