Bestandsanlagen netzdienlich steuern

Der EEBUS Relais Converter (ERC) ist eine gemeinsame Entwicklung von PPC und Weidmüller. Er überträgt digitale Steuerinformationen in analoge Relaiskontakte und erschließt damit das Smart-Grid-Umfeld auch für bestehende Technik.
Der EEBUS Relais Converter (ERC) ist eine gemeinsame Entwicklung von PPC und Weidmüller. Er überträgt digitale Steuerinformationen in analoge Relaiskontakte und erschließt damit das Smart-Grid-Umfeld auch für bestehende Technik.Bild: Weidmüller GmbH & Co. KG

Das Smart Meter Gateway (SMGW) stellt einen Ausgangspunkt dar, um eine Lösung zu entwickeln: Geschaffen durch das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) ist das Smart Meter Gateway eine zentrale Komponente für die digitale Energieversorgung im Gebäude. Mittels einfachem Softwareupdate kann es von seiner Funktion der reinen Datenübertragung zur Steuerung befähigt werden; dem SMGWplus. Als solches gibt es Signale in Form des EEBUS-Protokolls weiter – ein herstellerübergreifender Standard für die Kommunikation mit modernen Energie- und Anlagentechnologien. Viele Bestandsgeräte verfügen jedoch nur über analoge Schalteingänge und können diese digitalen Befehle nicht direkt verarbeiten. Genau hier setzt der EEBUS Relais Converter (ERC) an, eine gemeinsame Entwicklung von PPC und Weidmüller. Er überträgt digitale Steuerinformationen in analoge Relaiskontakte und erschließt damit das Smart-Grid-Umfeld auch für bestehende Technik.

Der ERC wird zwischen dem SMGWplus und Verbrauchern beziehungsweise Erzeugern installiert.
Der ERC wird zwischen dem SMGWplus und Verbrauchern beziehungsweise Erzeugern installiert.Bild: Weidmüller GmbH & Co. KG

Unkomplizierte Integration in den Zählerschrank

Der ERC wird zwischen SMGWplus und den angeschlossenen Verbrauchern bzw. Erzeugern installiert. Er lässt sich in den Zählerschrank – im Raum für Zusatzanwendungen (RfZ) oder im anlagenseitigen Anschlussraum (AAR) – integrieren. Mit einer üblichen 230V Versorgung ausgestattet, empfängt er die EEBUS-Steuersignale und setzt sie in definierte Schaltstellungen um. So bleiben bestehende Anlagen auch im Steuerungsrollout nutzbar, ohne dass sie grundlegend modernisiert werden müssen. Das senkt Kosten und ermöglicht eine schrittweise Digitalisierung. Im praktischen Betrieb bildet der ERC zwei relevante EEBUS-Use-Cases ab:

  • Limitation of power production (LPP): Reduzieren der Einspeiseleistung, z.B. von PV-Anlagen.
  • Limitation of power consumption (LPC): Begrenzen der Leistungsaufnahme, etwa bei Wärmepumpen oder Ladepunkten.

Regulatorisch festgelegtes Leistungsniveau

Zentrale technische Bestandteile sind vier Relais nach FNN-Steuerkonzept: S1, S2, W3 und W4. Drei dieser Kontakte regeln die Leistungsstufen von Erzeugern – 0, 30, 60 und 100 Prozent. So können etwa Wechselrichter stufenweise gedrosselt werden. Das vierte Relais W4 übernimmt die Leistungsbegrenzung von steuerbaren Verbrauchern. Ist es geschlossen, führt es die Verbraucher in ein regulatorisch festgelegtes Leistungsniveau. Die Kommunikation erfolgt auf Basis einer Ethernet-gestützten EEBUS-Schnittstelle, die die entsprechenden Befehle empfängt, die dann in Relaiszustände übertragen werden. Firmware-Updates erfolgen über die CLS-Kommunikation des Smart Meter Gateways oder direkt über Internetverbindung. Das reduziert Serviceaufwand und hält das Gerät langfristig aktuell und sicher. Durch die FNN-konforme Ausführung und die klar definierten Relaiszustände ist die Installation und Inbetriebnahme einfach und Anschlussfehler lassen sich schnell identifizieren und beheben.

Gesetzliche Anforderungen im Gebäudebestand umsetzen

Mit Blick auf den weiteren Ausbau dezentraler Erzeugung und die zunehmende Anzahl steuerbarer Verbrauchseinrichtungen gewinnt der ERC an immenser Bedeutung. Er stellt eine zuverlässige Lösung dar, um die gesetzlichen Anforderungen im Gebäudebestand umzusetzen und gleichzeitig die Ausbaukapazität im Stromnetz zu unterstützen. Zudem erleichtert er die Einbindung moderner Energiemanagementsysteme, die künftig stärker in Gebäuden etabliert werden. Damit fördert der ERC die Digitalisierung: Analoge Anlagen können weiterhin betrieben werden, während gleichzeitig die Voraussetzungen für eine digitale, netzdienliche Steuerung geschaffen werden.

Fazit

Insgesamt liefert der ERC einen praxisgerechten Beitrag zur Umsetzung der Energiewende. Er verbindet bestehende Gebäudetechnik mit dem Smart Grid, schafft eine robuste Grundlage für die gesetzlich geforderte Steuerbarkeit und unterstützt Betreiber, Installateure und Messstellenbetreiber bei der Umsetzung moderner Energiekonzepte im Gebäudebestand.