
Zu den steuerbaren Verbrauchseinrichtungen zählen Wärmepumpen, Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge, Raumkühlgeräte, sowie Batteriespeicher, mit einem möglichen Netzbezug von je mehr als 4,2kW. Im Falle einer Störung der Sicherheit oder Zuverlässigkeit des Netzes, ist der Netzbetreiber verpflichtet, die SteuVE im nötigen Umfang im betroffenen Netzbereich in der Leistungsaufnahme zu reduzieren – allerdings nicht vollständig abzuschalten. Als Mindestleistungsbereitstellung gilt ebenfalls 4,2kW, um die Grundfunktion der Anlagen aufrechtzuerhalten. Im Gegenzug profitieren Anlagenbetreiber von reduzierten Netzentgelten im Rahmen einer sogenannten privilegierten Netznutzung. Eine weitere Änderung betrifft Ladeeinrichtungen mit einer Ladeleistung bis 11kW: Sie bedürfen keiner Genehmigung durch den Netzbetreiber, sie müssen dem Netzbetreiber lediglich gemeldet werden. Für Elektrofachbetriebe bedeutet das: Die Installation solcher Anlagen ist nicht mehr nur eine Frage der elektrischen Leistung und Absicherung, sondern zunehmend auch eine Frage der Einbindung in ein steuerbares und kommunikationsfähiges Energiesystem.
Ein wachsender Markt mit neuen technischen Anforderungen
Die Zahl leistungsstarker elektrischer Verbraucher nimmt stetig zu. Wärmepumpen ersetzen fossile Heizsysteme, Photovoltaikanlagen werden häufiger mit Batteriespeichern kombiniert, und Elektromobilität sorgt für zusätzliche Lasten im Niederspannungsnetz. Viele dieser Systeme fallen künftig unter die Regelungen des §14a EnWG. Damit wird der überwiegende Teil neuer Wärmepumpen- oder Ladeinfrastrukturprojekte im Wohn- und Gewerbebereich auch unter dem Gesichtspunkt der Steuerbarkeit geplant werden müssen. Für das Elektrohandwerk entstehen daraus zusätzliche Aufgaben: Neben der Installation der Geräte selbst müssen passende Steuerkomponenten integriert, Kommunikationsschnittstellen beachtet und der Anschluss korrekt beim Netzbetreiber angemeldet werden.

Messinfrastruktur als Grundlage der Steuerung
Eine zentrale Rolle spielt das intelligente Messsystem (iMSys). Es besteht aus einer modernen Messeinrichtung – also dem digitalen Zähler – und einem Smart Meter Gateway als Kommunikationsmodul. Diese Infrastruktur ermöglicht die sichere Übertragung von Mess- und Steuerdaten zwischen Netzbetreiber, Messstellenbetreiber und Anlagensteuerung. Über das Smart Meter Gateway kann der Netzbetreiber Netzzustände überwachen und im Bedarfsfall mittels verschiedener Steuerboxen steuerbare Verbrauchseinrichtungen ansteuern. Der bundesweite Rollout intelligenter Messsysteme schreitet voran, erfolgt aber regional unterschiedlich schnell. Deshalb existieren derzeit präventive Übergangslösungen, etwa Schaltbefehle über Rundsteuertechnik oder Zeitschaltuhren. Für Installationsbetriebe bedeutet das, dass in der Praxis verschiedene technische Lösungen parallel im Einsatz sein können. Struktur statt Aufwand: Die Gira Türkommunikation IP unterstützt Elektrofachbetriebe mit zentraler Projektierung, schneller Inbetriebnahme und klaren Abläufen – für effiziente Projekte vom Einfamilienhaus bis zur großen Anlage. ‣ weiterlesen
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Drei typische Umsetzungsvarianten in der Praxis
In der Praxis haben sich aktuell drei grundlegende technische Ansätze etabliert, um steuerbare Verbrauchseinrichtungen einzubinden. Die einfachste Variante ist die Direktsteuerung per Relais. In diesem Fall wird die Anlage über Relaiskontakte im Engpassfall in ihrer Leistung begrenzt. Diese Lösung ist technisch unkompliziert und vergleichsweise kostengünstig, bietet jedoch wenig Flexibilität und kaum Möglichkeiten zur späteren Erweiterung. Eine zweite Möglichkeit ist die Direktsteuerung per EEBus. Der EEBus ist ein herstellerübergreifender, offener Kommunikationsstandard, der smarte Geräte vernetzt, wie Wärmepumpen, Wallboxen, PV-Anlagen und Batteriespeicher, um Energieflüsse im Haushalt zu optimieren. Hier werden steuerbare Verbrauchseinrichtungen digital an die Steuereinrichtung angebunden. Mehrere Geräte können über ein Netzwerk mit der Steuereinrichtung kommunizieren und gezielt gesteuert werden. Diese Variante ist ideal für Anwendungen mit bis zu vier steuerbaren Verbrauchseinrichtungen und weist eine mittlere technische Komplexität auf. Die umfassendste Lösung ist ein Energiemanagementsystem (EMS), angesteuert über EEBus. Das EMS koordiniert den Energiefluss zwischen Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Raumkühlgeräten und Ladeinfrastruktur, kann selbsterzeugten Strom einbeziehen und Lasten flexibel verteilen. Solche Systeme bieten hohe Zukunftssicherheit, ermöglichen die Einbindung unterschiedlicher Bussysteme und können perspektivisch auch dynamische Stromtarife und weitere energiewirtschaftliche Funktionen integrieren. Mit dem neuen homeXpert® Server vereinfacht MDT den Einstieg in die KNX-Welt. Die Funklösung auf Basis von KNX RF+ ermöglicht Smart-Home-Nachrüstung ohne ETS-Kenntnisse oder bauliche Eingriffe. ‣ weiterlesen
Der neue MDT homeXpert®
Steuerung bleibt die Ausnahme: Informationsbedarf im Markt
Viele Anlagenbetreiber befürchten, dass ihre Geräte regelmäßig vom Netzbetreiber gedrosselt werden. In der Praxis ist das kaum zu erwarten: Steuerungsmaßnahmen sind ausschließlich für kritische Netzsituationen vorgesehen und gelten als letztes Mittel zur Netzstabilisierung. Netzbetreiber müssen jede Aktivierung dokumentieren und bei wiederholtem Auftreten langfristig Netzausbau- oder Verstärkungsmaßnahmen planen. Die Steuerung ersetzt also keinen Netzausbau, sondern dient in erster Linie als temporäre Sicherung des Betriebs. Trotz der geltenden Regelung besteht weiterhin Informationsbedarf in der Branche. Häufig stellt sich die Frage, wie mehrere Geräte unterschiedlicher Typen gemeinsam zu betrachten sind und wie sich die Summenleistungen der einzelnen Verbrauchergruppen verhalten. Wird die Schwelle von 4,2kW überschritten, greifen die Vorgaben des §14a EnWG. Für Planer und Installateure bedeutet das, Anlagen ganzheitlich zu betrachten, ihre Kunden zu beraten und Steuerungskonzepte frühzeitig in die Projektplanung einzubeziehen.
Schritt in Richtung intelligentes Energiemanagement
Für viele Elektrofachbetriebe bedeutet §14a EnWG zusätzliches Know How jenseits des Tagesgeschäfts. Der Elektrogroßhändler Sonepar unterstützt Installationsbetriebe mit praxisorientierten Schulungen über eine eigene Akademie, in denen technische Grundlagen, gängige Systemlösungen und Anforderungen der Netzbetreiber vermittelt werden. Auch auf der Veranstaltungsreihe Trend+Technik wird das Thema aufgegriffen. Denn der §14a EnWG markiert einen wichtigen Schritt hin zu einem digital gesteuerten Energiesystem. Steuerbare Verbraucher, intelligente Messsysteme und Energiemanagementlösungen werden künftig immer enger miteinander vernetzt. Für das Elektrohandwerk verbindet das neue Chancen mit neuen Anforderungen. Wer sich frühzeitig mit Steuerungskonzepten, Energiemanagement und Messinfrastruktur auseinandersetzt, kann seine Kunden nicht nur bei der Installation, sondern auch bei der langfristigen Optimierung ihrer Energieversorgung kompetent begleiten.
















