
Cyberangriffe auf Kühlanlagen und Sicherheitslücken bei Photovoltaik-Wechselrichtern zeigen, wie verwundbar vernetzte Technik sein kann. Der ZVEH warnt daher vor Risiken, die über solche aufsehenerregenden Fälle hinausgehen, und fordert mehr Risikobewusstsein, weniger Herstellerabhängigkeiten sowie offene und sichere Standards.
Manipulierte Kühlanlagen in Hunderten französischen Supermärkten Mitte Oktober und zu Beginn dieser Woche auch in deutschen Märkten sowie eine Sicherheitslücke, über die rund 250.000 PV-Anlagen in Deutschland potentiell angreifbar waren: Fälle, die für Schlagzeilen sorgten und zeigen, wie sich vermeintlich einzelne Schwachstellen durch die Vernetzung zu systemischen Risiken entwickeln können.
„Wir nehmen Cyberangriffe vor allem dann wahr, wenn sie spektakuläre Schäden verursachen. Dabei können vergleichbare Schwachstellen in unzähligen weiteren Anlagen bestehen, ohne dass dies Schlagzeilen macht“, erklärt Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH): „Wir brauchen deshalb ein umfassenderes Verständnis digitaler Risiken.“
Cyberrisiken in smarten Gebäuden
Smart Homes, Wärmepumpen, PV, Ladeeinrichtungen und Gebäudeautomationssysteme sind zunehmend untereinander und mit externen Diensten verbunden. Das sorgt für Effizienz und neue Dienstleistungen, schafft aber auch Angriffsmöglichkeiten: Unsichere Internetzugänge, veraltete Software, ungeschützte Schnittstellen oder kompromittierte Cloud-Dienste können die Funktion ganzer Anlagen beeinträchtigen.
Viele Vorfälle bleiben unbemerkt oder finden kaum öffentliche Beachtung – obwohl sich ähnliche Bedrohungen an zahlreichen Standorten wiederholen können. Der ZVEH fordert daher, Cybersicherheit bereits bei Planung, Produktauswahl und Vernetzung zu berücksichtigen, anstatt erst nach einem Schadensfall zu reagieren.
Diversität und Risikostreuung statt Monokulturen
„Neben wichtigen Aspekten wie Effizienz und Komfort muss die Cybersicherheit auch im Kundenbewusstsein an Bedeutung gewinnen. Die Folgen von Angriffen und des Ausfalls zentraler Komponenten können verheerend sein“, betont Neuhäuser. Risikostreuung sei daher ein wichtiger Bestandteil digitaler Resilienz. Herstellervielfalt allein genüge jedoch nicht. Denn Systeme müssen unabhängig voneinander funktionieren und dürfen nicht dieselben kritischen Schwachstellen teilen.
Auf offene Standards setzen
Damit unterschiedliche Lösungen sicher zusammenarbeiten können, braucht es aus Sicht des ZVEH offene, standardisierte Kommunikationsprotokolle und Schnittstellen. Proprietäre Plattformen erschweren den Austausch von Komponenten und binden Kunden und Fachbetriebe an einzelne Anbieter (‚Lock-in-Effekte‘). Interoperabilität schafft dagegen nicht nur Wahlfreiheit. Sie erleichtert auch die Wartung und den langfristigen Betrieb. Voraussetzung sind geschützte Kommunikation, geregelte Zugriffsrechte, verbindliche Sicherheitsanforderungen und zuverlässige Updates.















