Herstellerneutrale Gefahrenmanagementplattform

Fachplaner im Fokus

Ein erfahrener Fachplaner ist immens wichtig, um bereits während der Planungsphase in engen Dialog mit dem Endkunden zu treten und dessen Anforderungen in eine funktionale Ausschreibung zu bringen. Die Ausschreibung sollte neben quantitativen Angaben (z.B. 30 Kameras, 350 Brandmelder, eine Zutrittskontrollanlage) insbesondere qualitative Beschreibungen hinsichtlich der Prozessabläufe und der Schutzziele des Endnutzers enthalten. Diese Aspekte werden auch über BIM noch nicht vollständig abgebildet. Um den Integrationsprozess einer Gefahrenmanagementplattform zu optimieren und zu vereinfachen, sollte der Integrator die Anforderungen des Endkunden genau kennen. Der Hersteller wiederum muss für deren optimale Umsetzung als Werkzeug eine flexible Plattform anbieten, die individuell angepasst und ausgebaut werden kann. Momentan gelingt dies dadurch, dass der Hersteller sowohl den Integrator als auch den Endkunden während der Planungsphase intensiv unterstützt: Zum Beispiel hilft ein Besuch des Herstellers vor Ort in der Leitzentrale bei der Identifizierung spezifischer Herausforderungen. So können unter anderem die dynamischen Arbeitsabläufe, durch welche die Gefahrenmanagementplattform im Ereignisfall später den Bediener führt, individuell festgelegt werden. Auch die damit verbundenen Aufwendungen können so eher abgeschätzt werden und der Hersteller erhält die notwendigen Informationen, um die Funktionalitäten und Komponenten des Managementsystems anpassen zu können. Nach Abschluss der umfangreichen Vorplanung erfolgen die Inbetriebnahme und Abnahme. Bei einer übergeordneten Gefahrenmanagementplattform ist der Integrationsaufwand der einzelnen technischen Systeme oft aufwendig, sodass insbesondere der Integrator über hochspezialisiertes Wissen verfügen muss. Auch die Anpassung an spezielle Gegebenheiten vor Ort und individuelle Prozesse, z.B. bestimmte Arbeits- und Kommunikationsabläufe, ist erforderlich, damit die Meldungsbearbeitung später optimal funktioniert. Wichtig ist, dass die Gefahrenmanagementplattform flexibel und für den Anwender einfach bedienbar ist.

Betriebsphase

Erst in der darauffolgenden Betriebsphase stellt sich dann heraus, wie die geplanten Prozesse tatsächlich funktionieren. Erfahrungsgemäß ergeben sich trotz bester Planung häufig noch notwendige Anpassungen. Mit einer offenen und flexiblen Integrationsplattform kann man darauf zwar dynamisch reagieren, jedoch sollte die Tatsache, dass nachgebessert werden muss, nicht als ein Versagen gesehen werden, das einen Nachtrag erfordert oder eine Projektüberschreitung darstellt, sondern eher als Normalität, die von vornherein mit einkalkuliert werden sollte. Die vollständige Optimierung der Prozesse im laufenden Betrieb sollte das finale Ziel sein, für dessen Erreichen ein Zusatzbudget sowie ein bestimmter Zeitaufwand vorgesehen werden sollten. Alternativ kann hier im Vorfeld ein POC (Proof of Concept) hilfreich sein, für den die Gefahrenmanagementsystem-Hersteller und die Integratoren äußerst offen sind. Der Endkunde gibt konkrete Szenarien vor, welche unter Einsatz der Gefahrenmanagementplattform nachgestellt werden müssen: Ein technisches System löst einen Alarm aus, die Managementplattform zeigt diese Meldung an, ergreift automatische Maßnahmen, interagiert mit weiteren angebundenen Systemen, gibt dem Bediener individuelle Verfahrensanweisungen zur Lösung der Situation, protokolliert alle ergriffenen Maßnahmen und erzeugt Berichte sowie Auswertungen (auch zur Beweissicherung). Die Durchführung eines POC bedeutet zwar für alle Bieter einen entsprechenden Zusatzaufwand in der Planungsphase, dessen Kosten durch den Endkunden gedeckt werden sollten, trägt aber wesentlich zur Entscheidungsfindung für die am besten geeignete Managementplattform bei und senkt meist auch erheblich den späteren Zusatzaufwand der Prozessoptimierung.

Fazit

Letztendlich sind alle Projektbeteiligten gefordert: Die Hersteller der einzelnen technischen Systeme, der Hersteller der Gefahrenmanagementplattform, dessen Integrator sowie der Endnutzer, aber insbesondere der Fachplaner muss in der Planungsphase für die optimale Koordination und Kommunikation zwischen den einzelnen Beteiligten sorgen.

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Ausgabe:
www.advancis.de

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