
Das Klimahaus gilt nicht nur aufgrund seiner Architektur und Themenvielfalt als außergewöhnlicher Ort, sondern auch wegen der technischen Komplexität, die sich hinter seinen Erlebnisräumen verbirgt. Die neue Dauerausstellung knüpft an diesen Anspruch an: Sie ergänzt das Klimahaus um einen Bereich, in dem wechselnde Klimasituationen in kurzer Abfolge erzeugt, kontrolliert und wieder zurückgeführt werden müssen. Die hierfür notwendigen Raumzustände – von starkem Luftdurchsatz über Nebelbildung bis hin zu punktuellen Temperaturveränderungen – stellen hohe Anforderungen an die technische Gebäudeausrüstung. Damit solche Prozesse gelingen, wurde die bestehende Automation erweitert und ergänzt. Die Gebäudeautomation übernimmt dabei die Rolle eines zentralen Steuerungssystems, das alle beteiligten Gewerke miteinander vernetzt, aufeinander abstimmt und dafür sorgt, dass Effekte und Sicherheitstechnik jederzeit verlässlich zusammenwirken.
Immersion braucht Integration durch smarte Gebäudeautomation
Für Kieback&Peter bedeutete das Projekt, ihre Bestandsautomation auszubauen und zu ergänzen. Während die Besucher innerhalb von zwölf Minuten unterschiedliche Klimaszenen durchfahren, muss die technische Gebäudeausrüstung in Sekundenbruchteilen reagieren: Luftmassen beschleunigen, Nebel abführen, Wasserströme steuern, Temperaturspitzen glätten – und das alles bei stabilen, sicheren Betriebszuständen. Die Gebäudeautomation fungiert als zentrales Koordinationsinstrument, das alle Anlagenteile über die Neutrino‑GLT zusammenführt und die Energieeffizienz im Betrieb maximiert. Dabei liegt die Besonderheit in der bidirektionalen Kopplung zwischen Showsteuerung und Gebäudeautomation: Die Showcontroller kommunizieren über KNX‑Feldbusse, während die Automationsstationen der TGA über BACnet sprechen. Eine Universal-Gateway‑Lösung des Herstellers MBS ermöglicht an dieser Stelle die Übersetzung der Protokolle. Erst dadurch lassen sich Lüftungsklappen und Abluftventilatoren im dramaturgischen Takt ansteuern, um den Nebelabzug am Ende einer Wetterinszenierung zu ermöglichen: Sobald die Sequenz endet, muss die Sicht in Sekunden wieder klar sein. Die Showsteuerung setzt ein Signal ab; die Automationsstationen steuern definierte Klappenstellungen an, Abluftventilatoren werden aktiviert. Erst dann kann der nächste Szenenwechsel störungsfrei beginnen. Diese Stringenz ist nur möglich, wenn die DDC-Technik als Regel- und Steuerinstanz – unterstützt von der GLT als Leitwarte – die Zustände antizipiert und Energieflüsse vorausschauend regelt.

Wo Signale zusammenlaufen: Knotenpunkte der Automation
Im neuen Ausstellungsbereich hat das Team der Niederlassung Bremen in kurzer Zeit hundert Datenpunkte integriert – von Temperatur‑ und Feuchtefühlern über Kanaldrucksensorik bis zu Klappenantrieben und Rauchmeldern. Zwei zusätzliche Automationsschwerpunkte (ASP) mit DDC‑Controllern bündeln die Signale: Im 3. Obergeschoss liegt der Knotenpunkt der MSR‑Technik samt RLT‑Anlage und den Schnittstellen zur Showtechnik; im Erdgeschoss überwacht ein weiterer ASP den Maschinenraum der Plattform und steuert die mechanische Entrauchung. Gerade die Kombination aus getakteten Effekten und Sicherheitstechnik prägt den Charakter der Anlage: Alle Gewerke laufen synchron mit hoher Betriebssicherheit und Energieeffizienz. Aufbauend auf dieser Systemarchitektur übernimmt das Lüftungsmanagement eine weitere Schlüsselposition im Betrieb der Ausstellung. Sie erfüllt vier zentrale Funktionen: die Grundversorgung mit Frischluft, energieeffiziente Konditionierung über einen Rotationswärmetauscher, szenische Luftdynamik für Sturmeffekte und Sicherheitsfunktionen im Brandfall. Mit knapp 10.000m³/h Luftleistung wird der Bereich bedarfsgerecht versorgt. Gleichzeitig sorgen rund 20 Umluftkonvektoren für zonale Temperierung, die erforderlich ist, um das Raumklima trotz dynamischer Effekte stabil zu halten. Die GLT visualisiert dabei Betriebszustände in Echtzeit und erlaubt Korrekturen, falls Show‑Ereignisse oder Besucherfrequenzen von der Norm abweichen. Neben den Komfort- und Inszenierungsfunktionen spielt die Lüftungstechnik vor allem im Brandschutz eine Rolle. Die dreigeschossige Plattform verbindet mehrere Ebenen und Raumzonen miteinander, was die Entrauchung konzeptionell anspruchsvoll macht. Im Ereignisfall leitet die Brandmeldeanlage Alarme direkt an die Automationsstationen weiter. Diese schalten definierte Brand- und Rauchabschnitte, aktivieren Ventilatoren und stellen klare Strömungswege her. Die schnelle Reaktionsfähigkeit der gekoppelten Systeme verhindert eine Rauchausbreitung in angrenzende Bereiche und hält Flucht- und Rettungswege frei. Ebenso integriert in die Steuerungslogik ist das Wasserman-agement der Dauerausstellung. Für Regen‑ und Überflutungsszenen zirkuliert Wasser in einem geschlossenen Kreislauf. Eine Umkehrosmoseanlage reduziert Salz‑ und Keimbelastungen. Das schützt Komponenten, minimiert Wartungsaufwände und stabilisiert die Effekte über den Lebenszyklus. Auch hier gilt: Gekoppelt an die GA laufen Einspeisung, Druckhaltung und Abpumpvorgänge abgestimmt auf die jeweiligen Showphasen.

Energiemanagement im Verbund: Effizienz als systemischer Faktor
Auf dieser Grundlage wird deutlich, dass sich die technischen Abläufe nicht nur auf die Inszenierung selbst beschränken, sondern in die energetische Gesamtbilanz des Gebäudes hineinwirken. Die Betriebsstrategie des Klimahauses hat ein Zero-CO2-Ziel hinterlegt. Neben Photovoltaik, Betonkernaktivierung und Abwärmenutzung fließen auch geothermische Quellen und Fernwärme aus KWK in das Versorgungssystem ein. Die wirksame Stellschraube liegt jedoch in der Kombination aus transparenter Visualisierung und regelungstechnischer Optimierung: Die Neutrino‑GLT verknüpft die Energiepfade, misst Lastgänge und ermöglicht datenbasierte Betriebsentscheidungen. Auf diese Weise trägt die Automationslösung zur Senkung des Primärenergiebedarfs bei: ein zweiter Klimaschutzhebel neben der Bildungswirkung der Ausstellung.

Betriebssicherheit, Ökonomie und Effizienz: Lehren für die TGA‑Praxis
Ein Showbetrieb mit dynamischen Spitzenlasten stellt besondere Anforderungen an die Robustheit der technischen Gebäudeausrüstung. Sensorik muss zuverlässig ausgewertet werden, Regler müssen Überschwinger vermeiden, und die GLT visualisiert das Ganze über klare, intuitiv erfassbare Bedienbilder, um bei Bedarf sofort eingreifen zu können. Der kontinuierliche Abgleich zwischen Showplan und TGA‑Strategie – von der Nebelabführung über die Luftführung bis zur Nachkühlung – stellt sicher, dass Komfort und Sicherheit jederzeit gewahrt bleiben und sich die technische Stabilität auch unter wechselnden Belastungen zuverlässig hält. Aus TGA‑Sicht zeigt das Projekt darüber hinaus drei wesentliche Lehren: Erstens ist Schnittstellenkompetenz ein zentraler Erfolgsfaktor, denn nur verlässliche Protokollbrücken ermöglichen eine saubere Kommunikation zwischen Showsteuerung und Gebäudetechnik. Zweitens schafft die hohe Transparenz der GLT die Grundlage für eine datenbasierte Optimierung im laufenden Betrieb. Ein Vorteil, der insbesondere bei komplexen Anlagenstrukturen zum Tragen kommt. Drittens steigert die Mehrfachnutzung einzelner Gewerke, etwa der Lüftungstechnik für Komfort, Inszenierung und Sicherheit, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der gesamten Installation. In der Summe zeigt sich, wie sich anspruchsvolle Erlebnisarchitektur und energieeffiziente TGA zu einem leistungsfähigen, zukunftsfähigen Gesamtsystem verbinden lassen.


















