
Das Unternehmen Casaio aus Veitshöchheim bei Würzburg hat den KNX Award 2026 in der Kategorie ‚Smart Home – Europe‘ gewonnen. Ausgezeichnet wurde ein Großprojekt in Hamburg, das unter dem Titel ‚The World’s Smartest Smart Home‘ ins Rennen ging. Die KNX Association kürte am 6. Oktober die Sieger unter den nominierten Projekten aus aller Welt. Die Organisation zeichnet alle zwei Jahre besondere Projekte auf der ganzen Welt mit den Awards aus. Dabei gibt es verschiedene Kategorien zu gewinnen, etwa für Innovation, Nachhaltigkeit oder Bildung, den Publikumspreis sowie regionale Smart-Home- und Smart-Building-Awards.

Ein Rundgang durch die smarte Villa
180km Kabel, 25 Elektroverteiler und 21 KNX-Linien bilden die technische Basis des Projekts. Zum Vergleich: In einem klassischen Einfamilienhaus kommen meist nur zwei bis drei KNX-Linien zum Einsatz. Wie viel allein 180km Kabel sind, lässt sich kaum vorstellen – aneinandergereiht entspricht das mehr als 500 Runden um ein Fußballfeld. Ein Rundgang durch das Gebäude zeigt, wie ausgeklügelt die dahinterliegende Technik ist.
Wer klingelt, wird über eine Video-Türsprechanlage erfasst, das Bild erscheint auf einem der rund 30 Touchpanels im Haus. Radarsensoren an der Fassade registrieren Bewegungen rund um das Gebäude, die Zutrittskontrolle an den Außentüren regelt, wer das Haus betreten darf. Wer hingegen mit dem Auto kommt, nimmt den Weg über die Tiefgarage. Auch hier ist die Gebäudeautomation allgegenwärtig: Flache LED-Panels sorgen für eine helle, gleichmäßige Ausleuchtung, und die Schleusentüren ins Haus verbinden Zutrittskontrolle mit Fluchtwegsicherheit – von außen nur mit Berechtigung zu öffnen, von innen jederzeit frei passierbar. Hinzu kommt eine Entrauchungsanlage für den Brandfall.
Im Inneren empfängt die Besucher ein Licht, das sich am natürlichen Tagesverlauf orientiert: Das Human Centric Lighting passt Helligkeit und Lichtfarbe an die Tageszeit an – morgens aktivierend, abends warm und gedämpft. Die Vision des Bauherrn: Das Licht soll den Bewohnern künftig beim Gang über die Treppe folgen. Gesteuert wird das Haus über Taster und Panels oder per Sprache. Der hauseigene Sprachassistent versteht Befehle, aber auch Zusammenhänge: Sagt jemand „Mir ist zu warm und die Sonne blendet“, fährt das Haus eigenständig die Beschattung herunter. Musik ist über Einbaulautsprecher raumweise oder im ganzen Stockwerk abspielbar.
Im Wellnessbereich lässt sich die Sauna per App steuern, schaltbares Glas wechselt auf Knopfdruck von klar zu milchig und sorgt so für Privatsphäre. Ein Stockwerk tiefer wartet der Partykeller mit eigener Showlichttechnik – von Moving Heads bis zur Discokugel – sowie ein Heimkino. Auch der Garten ist Teil des smarten Systems: Wasserspiele und Fontänen, eine aufwendige Außenbeleuchtung sowie eine Infrastruktur, die bereits heute für künftige Erweiterungen vorbereitet ist.
Eine besondere Herausforderung war es, ein durchgängiges Bedienkonzept zu schaffen. „Das ist die wahre Kunst“, so Dr. Thomas Lübbeke, Gründer und Geschäftsführer von Casaio. „Ein Smart Home wird nicht allein dadurch nützlich, dass viel Technik drinsteckt. Es muss für die Bewohner und auch für Gäste intuitiv zu bedienen sein.“
Ingenieurskunst trifft auf Entwicklergeist
Das Haus ist nicht nur technisch hoch entwickelt, sondern zugleich ein Forschungsprojekt, in dem die Grenzen intelligenter Gebäudeautomation ausgelotet werden. In enger Abstimmung mit dem Entwicklerteam des Bauherrn plant und programmiert Casaio dafür die KNX-Installation. Angefangen hat dabei alles mit einem Badlüfter: In seiner Studentenwohnung programmierte Thomas Lübbeke ihn per KNX so, dass er nur noch bei zu hoher Luftfeuchtigkeit ansprang. „Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Von da an wusste ich, wie sehr intelligente Technik den Alltag verbessern kann.“ 2016 gründete er Casaio. Seitdem hat das Team verschiedene Smart-Home-Projekte begleitet. Bereits 2018 gab es den KNX Award für ein Plusenergiehaus. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung, aber ausruhen werden wir uns darauf nicht“, sagt Lübbeke. „Wir haben bereits viele Ideen, wie wir unser Angebot weiterentwickeln, damit noch mehr Bauherren ihren Traum vom Smart Home verwirklichen können.“

















