Digitalmultimeter im Elektrohandwerk

Welchen Stellenwert haben Digitalmultimeter heute im Elektrohandwerk? Was sind die Anforderungen?

Digitalmultimeter sind ein zentrales Sortiment der Conrad Sourcing Platform im Bereich Messtechnik.
Digitalmultimeter sind ein zentrales Sortiment der Conrad Sourcing Platform im Bereich Messtechnik.Bild: Tom Bruner

Insbesondere in der Gebäudetechnik werden die Anforderungen immer komplexer. Dementsprechend sind digitale Multimeter hier ein unverzichtbares Werkzeug. Ein typisches Einsatzszenario ist die Lokalisierung und Behebung von Fehlern in Stromkreisen, Geräten oder Bussystemen. Aber auch das Thema Sicherheit, z.B. die Feststellung von Spannungsfreiheit, oder der Bereich Installation, etwa wenn es ums Prüfen der korrekten Verdrahtung geht, spielen eine wichtige Rolle. Und auch in der Wartung gehört das Multimeter aufgrund seiner Vielseitigkeit zum Standardwerkzeug. Die Multimeter müssen den Anforderungen aus der Praxis folgen und sind damit einer stetigen Weiterentwicklung unterworfen. Höhere Genauigkeit, neue oder angepasste Messfunktionen und eine leichtere Handhabung sind typische Ansprüche an digitale Multimeter.

Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Das neue VC-915 ermöglicht Drehfeldprüfungen über die Messleitungen.
Das neue VC-915 ermöglicht Drehfeldprüfungen über die Messleitungen.Bild: Conrad Electronic

Nehmen wir die Entwicklungen bei den Multimetern der Marke Voltcraft: Das digitale Hand-Multimeter VC-891 hat eine Grundgenauigkeit von 0,03% bei 60.000 Counts. Diese Werte waren vor wenigen Jahren nur in schweren und teuren Tischmultimetern realisierbar. Auch im Bereich Messfunktionen hat sich einiges getan: Das neue VC-915 ermöglicht Drehfeldprüfungen über die Messleitungen und verfügt über eine LoZ-Funktion. Möglich ist außerdem das Herabsetzen der Eingangsimpedanz des Multimeters zur Neutralisierung von Phantomspannungen, Temperaturmessung per K-Typ-Fühler, Mischspannungsmessung und es ist ein zuschaltbarer Tiefpassfilter integriert. Handhabung und Sicherheit sind ebenfalls optimiert worden: Das VC-915 ist IP65-geschützt für den Einsatz im Innen- und Außenbereich, ein transflektives Display bietet bessere Ablesbarkeit im Außenbereich und Daten können per App geloggt werden. Ein weiteres cleveres Feature sind die magnetische Messspitzenhalterung und integrierte Magnete auf der Rückseite, die das Gerät an der Schaltschranktür fixieren, so dass man beide Hände zum Messen frei hat.

Gibt es auch Multimeter, die sich für den Ausbildungskontext eignen?

Die VC-200-Multimeter-Serie wurde speziell für die Ausbildung entwickelt. Dementsprechend wurden Sicherheitsfeatures eingebaut, um die Handhabung für unerfahrenere User zu optimieren: So verfügen die Multimeter über selbstrückstellende Sicherungen im 600mA-Messbereich, einen Messbuchsen-Navigator, einen Verschleiß-Indikator für die Messleitungen und ein Batteriefach, das sich bei angeschlossenen Messleitungen nicht öffnen lässt. Umgekehrt können bei geöffnetem Batteriefach die Messleitungen nicht angeschlossen werden.

Welche Unterschiede gibt es generell und wofür eignen sie sich jeweils?

Elektrikern und Elektrikerinnen, die hauptsächlich Reparaturen an netzbetriebenen Geräten durchführen, empfehle ich Geräte mit Leistungsmessadapter im Lieferumfang. Durch Zwischenstecken des Messadapters kann die Stromaufnahme eines zu prüfenden Gerätes schnell analysiert werden. Für alle, die in erster Linie Installationen durchführen, eignen sich Modelle mit Drehfeldprüfung direkt am Multimeter. Und auch eine eingebaute Taschenlampe kann praktisch sein. Wartungsarbeiten erfordern eine hohe Messgenauigkeit und häufig auch eine Temperaturmessfunktion. Hilfreich ist es außerdem, wenn über einen zuschaltbaren Tiefpassfilter unerwünschte Störspannungen ausgeblendet werden können. Und wer im Außendienst unterwegs ist, freut sich über ein Multimeter mit kompakten Abmessungen.

Harald Lehner Portraitfoto
Harald Lehner prägt mit seiner Expertise seit über 30 Jahren das Messtechnik-Sortiment bei Conrad Electronic. Als Categorymanager steuert er die Produktentwicklung und das Produktmarketing der Marke Voltcraft. Kunden kennen Harald Lehner von diversen Fachmessen, wo er Anregungen von Geschäftskunden einholt, die häufig auch in Neuentwicklungen einfließen. Das Ergebnis sind smarte und individuelle Lösungen rund ums Thema Messtechnik. Mehr Infos gibt es auf der Conrad Sourcing Platform. – Bild: Conrad Electronic SE

Was sind typische Herausforderungen und Fallstricke in der Praxis?

Eine Herausforderung ist es, mit Stör- oder Phantomspannung überlagerte Spannungen korrekt zu messen. Hier ist es sinnvoll, Multimeter mit LoZ-Funktion und Tiefpassfilter zu verwenden. Es kann auch erforderlich sein, Schaltvorgänge aus einer gewissen Entfernung auszulösen und das Ergebnis messtechnisch zu erfassen. Mit Multimetern, die mit App arbeiten, ist das möglich. Bei ihnen wird das Multimeter mit den Kontakten fest verbunden und das Display des Multimeters dann am Smartphone in mehreren Metern Entfernung gespiegelt. Am Bedien- oder Schaltpult kann dann eine Schaltung ausgeführt werden und aus der Distanz die Mess-ergebnisse abgelesen werden. Ein weiterer Pluspunkt ist es, wenn man die automatische Abschaltfunktion des Multimeters selbst bestimmen kann. Bei zeitlich aufwendigen Messungen passiert es, dass das Multimeter in dem Moment abschaltet, in dem der Wert am Display abgelesen wird. Das Multimeter muss dann neu gestartet und vorgenommene Einstellungen müssen erneut durchgeführt werden. Kann die Ausschaltzeit selbst bestimmt oder komplett abgeschaltet werden, umgeht man diesen Fallstrick.

Wie steht es um Genauigkeit, Kalibrierung und Nachweisfähigkeit?

Im Idealfall ist ein Multimeter werkskalibriert und damit schon im Auslieferzustand ein hochpräzises Messmittel. Es gibt darüber hinaus ISO-kalibrierbare Modelle, die vorkalibriert ab Lager erhältlich sind. In diesem Punkt bietet der Conrad Kalibrier-Service Vorteile. In unserem Labor sowie zusammen mit dem Partner Testo werden ISO- und DAkkS-Kalibrierungen für mehr als 30 Gerätegruppen und über 100 Messgrößen durchgeführt, wobei die Kalibrierung sowohl bei Neugeräten ab Lager durchgeführt werden als auch eine Rekalibrierung vorhandener Messgeräte erfolgen kann.

Welche Entwicklungen zeigen, wohin die Reise geht?

Durch sichere und intuitive Bedienungskonzepte sowie smarte Messfunktionen wird die Effizienz beim Einsatz eines Multimeters gesteigert. Dank automatischer Bereichswahl wählt das Multimeter selbst den richtigen Messbereich und der Benutzer muss nicht mehr manuell umschalten. Kommt eine LoZ-Funktion zum Einsatz, erhöht dies die Messsicherheit und sorgt für eindeutige Ergebnisse. Mithilfe von Data Logging im Messgerät oder per App können Messwerte über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet und die Daten anschließend von einer Fachkraft analysiert werden, ohne dass diese vor Ort sein muss. Auch die Dokumentation diverser Messungen spielt eine immer größere Rolle. Verfügt das Multimeter-Display über eine Remote-Ansicht, können Messaufgaben, für die früher zwei Personen benötigt wurden, von nur einer Person ausgeführt werden.