Gebäudetechnik mit SPE

Die Nutzbarkeit bestehender Infrastrukturen für SPE bildet die wirtschaftliche und ökologische Basis für die Modernisierung von Bestandsbauten.
Die Nutzbarkeit bestehender Infrastrukturen für SPE bildet die wirtschaftliche und ökologische Basis für die Modernisierung von Bestandsbauten.Bild: ©zhangyang13576997233/ shutterstock.com / Phoenix Contact

SPE erlaubt Leitungslängen von bis zu 1.000m und reduziert den Installationsaufwand sowie den Platzbedarf. Zudem unterstützt SPE die ressourcenschonende Daten- und Energieübertragung über ein einziges Adernpaar, was die Effizienz und Kosteneffektivität steigert. Im Gebäudebestand lohnt sich ein genauer Blick auf vorhandene Leitungen, um den ökologischen Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus gering zu halten. Bestehende Infrastrukturen der Gebäudeautomation lassen sich oft gut für SPE wiederverwenden, was die Notwendigkeit für umfangreiche Umbauten reduziert und die Modernisierungskosten erheblich senkt. Leitungen vom Typ J Y(ST)Y 2x2x0,8 werden zur Übertragung von Bussignalen und Messwerten genutzt und kommen auch in der HLK-Technik für Modbus- oder BACnet-Protokolle über die RS485-Schnittstelle zum Einsatz. Ein weiterer gängiger Leitungstyp ist der Schaltdraht YV 2×0,8/1,4, auch bekannt als Klingeldraht. Diese verdrillte Doppelader wird für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen verwendet, bei denen keine hohen Leistungen oder Datenraten erforderlich sind. Bei der Wiederverwendung bestehender Busleitungen können unbekannte Topologien vorliegen, die sich nur mit großem Aufwand zurückbauen lassen. In solchen Fällen bleiben die Installationen oft unberührt und der Übertragungsweg kann Stichleitungen unterschiedlicher Länge enthalten.

Die maximale Reichweite der KNX-Busleitung liegt bei 
420m und beim Schaltdraht bei 910m.
Die maximale Reichweite der KNX-Busleitung liegt bei 420m und beim Schaltdraht bei 910m. – Bild: Phoenix Contact GmbH & Co. KG

Messungen zur Eignung

Praxisnahe Messungen an unterschiedlichen Verkabelungsstrukturen mit dem Feldmessgerät Fluke DSX 8000 und einem SPE-Messadapter haben gezeigt, dass bestehende Verkabelungen unter bestimmten Voraussetzungen für SPE nutzbar sind. Vergleichsmessungen mit dem vektoriellen Netzwerkanalysator (VNA) von Rohde&Schwarz bestätigten die Ergebnisse. So sind die Ergebnisse:

Return Loss (RL):

  • Je höher der RL, desto stärker werden Reflexionen gedämpft.
  • Messungen an Leitungen von 10, 40, 100 und 300m Länge zeigten, dass die RL-Werte weitgehend oberhalb der geforderten Grenzwerte lagen.

Insertion Loss (IL):

  • Eine hohe Dämpfung kann das Decodieren des Signals am Ende des Übertragungswegs verhindern.
  • Bei Vollduplex-Datenübertragungen müssen Reflexionen klein genug sein, um das empfangene Signal von den Reflexionen zu unterscheiden.

Transverse Conversion Loss (TCL):

  • Charakterisiert die Resilienz gegenüber elektromagnetischen Störungen.
  • Erlaubt eine erste Einschätzung der Störanfälligkeit hinsichtlich der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV).
Die RL-Werte liegen weitgehend oberhalb des 
geforderten Grenzwertverlaufs.
Die RL-Werte liegen weitgehend oberhalb des geforderten Grenzwertverlaufs. – Bild: Phoenix Contact GmbH & Co. KG

Untersuchung der Leitungsanordnung

Exemplarische Untersuchungen einer T-förmigen Leitungsanordnung wurden durchgeführt. Von einer Stammleitung mit 40m Länge zweigten nach 2m Stichleitungen mit einmal 2m und einmal 10m ab. Messungen erfolgten vom Anfang der Stammleitung zum Ende der Stichleitung, wobei das Ende der Stammleitung einmal offen und einmal abgeschlossen war.

Kurze Leitungen (2m Länge):

  • Insertion Loss-Werte lagen deutlich unterhalb der normativen Grenzwerte.
  • Return Loss zeigte bei abgeschlossener Stammleitung einen wellenförmigen Verlauf, der von 7,8 bis 12,5dB anstieg.

Lange Leitungen (10m Länge):

  • Bei abgeschlossener Stichleitung zeigte sich ein Bandpassverhalten mit einem RL-Anstieg von 9,5 auf über 20dB und einem Abfall auf 8,4dB.
  • Der RL erlaubt eine hinreichende Nutzbarkeit des Kanals für SPE.

Die Messungen zeigen, dass bestehende Verkabelungen unter bestimmten Voraussetzungen für SPE nutzbar sind. Die entscheidenden Messgrößen waren Return Loss (RL), Insertion Loss (IL) und Transverse Conversion Loss (TCL). Insgesamt erlauben die Ergebnisse eine hinreichende Nutzbarkeit der Kanäle.

IL-Werte liegen allesamt oberhalb 
des geforderten Grenzwertverlaufs.
IL-Werte liegen allesamt oberhalb des geforderten Grenzwertverlaufs. – Bild: Phoenix Contact GmbH & Co. KG

Signalbasierte Untersuchungen

Die Messungen zeigten, dass ein Überschreiten der normativen Grenzwerte für SPE die Datenübertragung nicht zwingend verhindert. Hochwertige Komponenten ermöglichen längere Reichweiten und höhere Übertragungsraten, während minderwertige Komponenten kürzere Reichweiten und niedrigere Übertragungsraten erlauben. Zur Ermittlung der maximalen Reichweiten für SPE mit KNX-Busleitung und Schaltdraht wurden zwei Evaluation-Boards mit PHYs vom Typ ADIN1100 verbunden. Diese messen das Signal-to-Noise Ratio (SNR) und den Slicer Maximum Absolute Error. Mit der KNX-Busleitung wurde eine Reichweite von 420m erreicht (SNR: 30,1dB, Slicer Error: 0,15). Der Schaltdraht erreichte 910m (SNR: 27,6dB, Slicer Error: 0,19). Laut Hersteller liegt der SNR-Grenzwert für den ADIN1100 bei 20,5dB, ab dem die Signalintegrität so schlecht wird, dass keine Kommunikation mehr möglich ist. Die Autonegotiation-Einstellung beeinflusste ebenfalls die Reichweite. Zusätzlich wurden RL-, IL- und TCL-Werte für die maximale Reichweite der beiden Leitungstypen gemessen. Bei der KNX-Busleitung lagen die RL-Werte weitgehend oberhalb der geforderten Grenzwerte und beim Schaltdraht im gesamten Frequenzbereich bis 20MHz. Die IL-Werte lagen für beide Leitungen oberhalb der Grenzwerte, während der TCL beim Schaltdraht weitgehend die Grenzwerte erfüllte, die KNX-Busleitung nicht.

Fazit

Die Untersuchung zeigt, dass bestehende Leitungen in der Gebäudeautomation, wie KNX-Busleitungen und Schaltdraht, unter bestimmten Bedingungen für SPE wiederverwendet werden können. Beide Leitungstypen wurden erfolgreich auf ihre Eignung für SPE-Verbindungen getestet, wobei Messungen mit Feldmessgeräten und vektoriellen Netzwerkanalysatoren die Ergebnisse bestätigten. Die entscheidenden Messgrößen waren Return Loss (RL), Insertion Loss (IL) und Transverse Conversion Loss (TCL). Die maximale Reichweite betrug 420m für die KNX-Busleitung und 910m für den Schaltdraht. Zudem wurde festgestellt, dass die Autonegotiation-Einstellung die Reichweite beeinflusst. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass bestehende Leitungen unter Berücksichtigung der spezifischen Messgrößen und Bedingungen effektiv für SPE genutzt werden können.