Flächendeckender Smart Meter Rollout verschoben

Ohne Datenschutz keine erfolgreiche Digitalisierung

Flächendeckender Smart Meter Rollout verschoben

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland war in den letzten zwei Jahren von wirtschaftskriminellen Handlungen betroffen – bei Großunternehmen sogar jedes zweite. Nicht verwunderlich also, dass jedes zweite Unternehmen Vorbehalte in puncto Rechtsgrundlage, Datensicherheit und Datenschutz im Hinblick auf die Durchführung fortgeschrittener Datenanalysen hat. Bedenken, die auch in Bezug auf die geplanten Smart Meter in Deutschland eine Rolle spielen.

Diese Sorge besteht vor allem, weil es sich bei den Messwerten, die im Rahmen von Smart Metern erhoben, übertragen und verarbeitet werden, auch um personen- bzw. unternehmensbezogene Daten handelt. Beispielsweise können detaillierte Informationen zum Verbrauch Rückschlüsse auf eine bestimmte Lebens- oder Arbeitsweise zulassen. Deshalb spielt der Datenschutz von Smart Metern eine tragende Rolle. Nur wenn dieser gewährleistet ist, wird die Vernetzung und mehr Transparenz im Energieverbrauch ihr Potenzial entfalten können und letztlich zu Kosteneinsparungen für Verbraucher führen.

Einführung von Smart Metern verschoben

Über das Datum der endgültigen Einführung von Smart Metern sind sich Experten noch uneinig. Nach dem Gesetz, das der Bundestag im Juni 2016 verabschiedet hat, sollten die Smart Meter bereits ab diesem Jahr bei gewerblichen Großkunden eingebaut werden. Im Moment ist eher davon auszugehen, dass sich der Rollout der Smart Meter verzögert. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) geht davon aus, dass der flächendeckende Rollout bei gewerblichen Großkunden erst Anfang 2018 richtig losgeht. Private Stromkunden sind in der Regel erst 2020 von der Einführung der Smart Meter betroffen. Grund für die Verzögerungen ist vor allem die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen. Im sogenannten Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), das im Herbst 2016 in Kraft getreten ist, sind neben technischen Anforderungen auch Bestimmungen für den Datenschutz bei intelligenten Messsystemen geregelt. In diesem Zuge wurde für die Kommunikationseinheit der Smart Meter, das sogenannte Smart Meter Gateway, eine zusätzliche Sicherheitsfunktion eingeführt: Die Smart Meter Gateway Administration. Diese ist für den technischen Betrieb des intelligenten Messsystems verantwortlich. Dazu zählt neben der Geräteverwaltung der intelligenten Messsysteme auch die Verwaltung der Konfigurationsprofile. Anders ausgedrückt umfasst sie die Inbetriebnahme der Smart Meter, den Betrieb selbst, die Konfiguration, die Administration, die Überwachung bzw. das Monitoring sowie die Wartung der intelligenten Messsysteme. Zudem ist die Smart Meter Gateway Administration auch für die Bereitstellung und das Management der Schnittstelle für sogenannte externe Marktteilnehmer, d.h. beispielsweise Stadtwerke oder Energieanbieter, verantwortlich. Die Smart Meter Gateway Administration sorgt letztlich für die sichere Verwaltung und Übertragung aller Daten, die in intelligenten Messsystemen erhoben und ausgetauscht werden.

Datenschutz durch mehrfache Zertifizierung

Konkret wurden zu diesem Zweck im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums sogenannte Schutzprofile und Technische Richtlinien vom BSI erarbeitet. Diese sind unter www.bsi.bund.de öffentlich einsehbar. Dort sind – insbesondere in der Technischen Richtlinie BSI TR-03109 – die zusätzlichen Anforderungen für intelligente Messsysteme und deren sicheren Betrieb festgehalten. Demnach müssen zum Beispiel Smart Meter zusätzliche Firewall-Mechanismen enthalten. Die Gewährleistung hierfür übernimmt ebenfalls das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik, indem die Einhaltung der Vorgaben im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens überprüft wird. Durch die ausnahmslose Zertifizierung der Smart Meter Gateways sowie der Smart Meter Gateway Administration wird der Datenschutz gleich an mehreren Stellen gesichert. Vom Bund ist also ganz genau definiert, wer wann auf welche Daten zugreifen kann und wie die Sicherheit der Daten gewährleistet ist. So können die Energieverbrauchsdaten in Echtzeit an den Energieanbieter übermittelt werden und sind trotzdem gut geschützt. Fakt ist: Smart Meter helfen nicht nur den Energieverbrauch zu messen, sondern ermöglichen vor allem auch Transparenz hinsichtlich des Stromverbrauchs. So können die Verantwortlichen gezielt gegensteuern und bestenfalls Kosten senken. Alle Kommunikationsflüsse sind verschlüsselt und in Bezug auf Integrität, Authentizität und Vertraulichkeit abgesichert. Daher können Verbraucher der Einführung ohne Bedenken in puncto Datenschutz positiv entgegensehen. Letztlich bildet die Einführung der Smart Meter und der dadurch ermöglichte Datenaustausch den ersten Schritt der Digitalisierung. Aber es folgen langfristig noch viele mehr.

Ausgabe:
E.VITA GmbH
www.evita-energie.de

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