Interview Lothar Hellmann / ZVEH

Interview Lothar Hellmann / ZVEH

ZVEH-Präsident Dipl.-Ing. Lothar Hellmann spricht im Interview mit GEBÄUDEDIGITAL über neue Geschäftsfelder, Digitalisierung, Normungsarbeit, Fachkräftemangel und Qualifizierung. Außerdem verrät er seine Hauptziele für die nächsten zwei Jahre seiner Amtszeit.
 

 
Sie sind seit gut zwei Jahren ZVEH-Präsident. Als Schwerpunkte haben Sie bei Ihrem Amtsantritt u.a. die Etablierung neuer Geschäftsfelder für das Elektrohandwerk sowie die zunehmende Digitalisierung aller Prozesse genannt. Zum ersten Punkt: Welche neuen Geschäftsfelder haben für Sie das größte Potenzial?

Im Moment sehe ich als wichtigste Geschäftsfelder die Bereiche Energiemanagement, Gebäudeautomation und Ladeinfrastruktur für E-Mobilität. Ein weiteres wichtiges Feld ist Beleuchtungstechnik. LED und KNX – Gebäudesystemtechnik wächst immer mehr zusammen. Das geht soweit, dass auf Messen die Aussteller der Beleuchtungstechnik mit den Ausstellern von KNX-Systemtechnik in einer Halle ausstellen möchten. Auch der Bereich Sicherheitstechnik – hier vor allem Videoüberwachung – hat großes Potenzial. Des Weiteren ist die Digitalisierung von Telefonanlagen ein Bereich, der für Elektrobetriebe zu einem attraktiven Geschäft werden kann. Es wird vor Ort nur noch die Hardware installiert, die Programmierung erfolgt aus der Ferne. Ein wachsender Bereich ist ebenso die EDV-Netzwerkadministration bzw. -monitoring, d.h. Fernzugriff auf Rechner und das Einrichten von Servern.

 
Und das Thema technische Assistenzsysteme – also Ambient Assisted Living?

Ja, dieser Bereich hat auch eine große Zukunft und steht bei uns ganz oben auf der Agenda. Die nächste Ausgabe unseres E-Hauses (Anm. d. Red.: 100m² großes, begehbares Modellhaus des ZVEH) wird auf der kommenden Light + Building unter dem Thema Smart Living stehen. Dabei ist AAL ebenfalls ein wichtiges Thema.

 
Nun möchte ich zum Thema Digitalisierung kommen. Wie sehen die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitsabläufe, Geschäftsmodelle und Serviceanforderungen konkret aus?

In der Praxis werden heute grundsätzlich die meisten Bestellungen online abgewickelt. Die Mitarbeiter kommen abends in den Betrieb und geben die Bestellung auf, die dann sofort auf die Baustelle gebucht und schon fakturiert ist, bevor die monatliche Rechnung kommt. So erreichen wir eine umfassende Transparenz. Auch alle Zeiten für die Lohnabrechnung werden direkt auf der Baustelle verbucht. Der Maschinenpark – ob Hilti oder Messgerät – wird per RFID-Chip gelabelt. Wenn morgens das Werkzeug auf die Baustelle mitgenommen wird, erfolgt sofort eine Zuordnung zu der richtigen Kostenstelle. Auch die Lohnabrechnung ist voll digitalisiert. Der Mitarbeiter hat jederzeit Zugriff auf sein Zeit- und Urlaubskonto. Die Kommunikation mit den Großhändlern findet ebenso fast nur noch digital statt..

 
Was ändert sich im Zusammenspiel mit Großhandel und Industrie, also bezüglich des dreistufigen Vertriebs?

Der dreistufige Vertrieb steht auf dem Prüfstand. Dieses Erfolgsmodell muss angepasst werden. Wir sind in guten Gesprächen mit Herstellern und auch dem Großhandel. Aber egal, wo der Erstkontakt des Kunden im Online-Zeitalter stattfindet, der letzte Ansprechpartner und Ausführer ist das Elektrohandwerk. Der Elektrofachmann erbringt ebenso die Beratungsleistung, denn auch im Online-Zeitalter wird dieser Service nach wie vor gewünscht. Diese Leistung hat natürlich auch ihren Preis, da sie dem Kunden einen Mehrwert bietet.

(Bild: TeDo Verlag GmbH)

 
Die meisten Elektro-Handwerksbetriebe sind von kleiner und mittlerer Größe. Gerade diese Betriebe tun sich aber – aus Zeit- und Geldgründen – schwer mit dem Thema Digitalisierung. Wie können auch diese Betriebe auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet werden?

Grundsätzlich liefert der ZVEH Infos und richtet auch Großveranstaltungen wie die Jahrestagung oder den E-Kongress aus, der in diesem Jahr ganz im Zeichen der Digitalisierung steht. Er findet am 15. und 16. September in Bonn statt. Durch die Wirtschaftsinitiative Smart Living, die im März von führenden Herstellern und Verbänden in Kooperation mit dem BMWi gegründet wurde, gewinnt der Markt zusätzliche Dynamik. Davon profitieren natürlich alle E-Handwersbetriebe. Wir sind an dieser Initiative beteiligt und haben einen engen Draht zu Meinungsbildnern und Entscheidern, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Des Weiteren werden in der überbetrieblichen Ausbildung und im Kompetenzzentrum Digitales Handwerk wichtige Inhalte vermittelt. Das Kompetenzzentrum besteht aus vier sogenannten Schaufenstern. Federführend für das Schaufenster Nord ist die Elkonet-Schule BFE (Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik) in Oldenburg. Im Rahmen dieses Kompetenzzentrums werden Beispiele gezeigt, wie heute Digitalisierung vor sich geht.

 
Gibt es neben allgemeinen Informationsveranstaltungen und Schulungen auch Ansprechpartner für Betriebe, die sich individuell auf ihren Einzelfall bezogen beraten lassen möchten, wie sie digitale Prozesse in ihren Betriebsablauf integrieren können?

Ja, wir bieten kompetente Beratung bei allen Landesinnungsverbänden. In Nordrhein-Westfalen gibt es z.B. fünf Diplom-Ingenieure, die in den Bereichen EDV- und Software-Beratung sowie Qualifizierung tätig sind. Und wir bieten sehr viele Lehrgänge an, in denen wir auch auf neue Geschäftsfelder wie E-Mobilität eingehen.

 
Auch an älteren Inhabern geht das Thema Digitalisierung oftmals vorbei und sie erkennen nicht, welche Chancen sie ihren Betrieben bringt. Zudem müssen auch ältere Mitarbeiter an das Thema herangeführt werden. Wie begegnen Sie diesem Problem?

Es ist keine Frage des Alters. Wir müssen bei allen das Bewusstsein schaffen, wie prägend Digitalisierung für jeden Einzelnen ist. Sie eröffnet im beruflichen Alltag viele Chancen: Der Betrieb spart durch die Digitalisierung seiner Abläufe Zeit und hat mehr Freiräume für Weiterbild

ung. Bei Betriebsinhabern jeden Alters muss immer im Vordergrund stehen, sich weiterzubilden und in die Köpfe seiner Mitarbeiter zu investieren. Nur so können neue Geschäftsfelder entwickelt werden.

 
Wie Sie bereits erwähnt haben, wurde im März von führenden Herstellern und Verbänden in Kooperation mit dem BMWi die Wirtschaftsinitiative Smart Living gegründet. Ziel ist, Deutschland zum internationalen Leitmarkt für Smart-Living-Anwendungen zu entwickeln. Auch der ZVEH beteiligt sich an der Initiative. Wo liegen die Hauptaktivitäten Ihres Verbandes?

Es gibt in dieser Initiative die drei unterschiedlichen Themenfelder ‚Marktentwicklung‘, ‚rechtliche Rahmenbedingungen‘ und ‚Qualifizierung‘. Die Arbeitsgruppe Qualifizierung wird vom ZVEH geleitet. Ziel ist es, eine gewerkübergreifende Beratungskompetenz auf- und Vorbehalte gegenüber Smart-Living-Lösungen abzubauen. Über die Initiative haben wir einen noch engeren Kontakt zum Wirtschaftsministerium. Außerdem geht es darum, Synergien mit anderen Playern zu nutzen, die ebenfalls an der Initiative beteiligt sind. Neben dem ZVEH sind das zahlreiche Industrieunternehmen aus dem Bereich Gebäudetechnik, der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), der Verband der Elektrotechnik und Elektronik (VDE), der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GDW) sowie der Verband Bitkom.

 
Im Bereich Smart Home gibt es mittlerweile viele Anbieter aus den Bereichen Telekommunikation, Energieversorgung und Unterhaltungselektronik. Sehen Sie hier eine Gefahr für das Elektrohandwerk?

Nein, ich sehe da keine große Gefahr. Die E-Handwerke haben das Potenzial und die Kompetenz, sich im Wettbewerb zu behaupten. Wir besitzen Know-how und bieten persönlichen Service. Wir sind der erste Ansprechpartner vor Ort. Große Konzerne bringen mit großem Werbebudget ein noch stärkeres Bewusstsein für dieses Geschäftsfeld in die Köpfe der Menschen. Davon profitieren wir natürlich auch. Aber nur das E-Handwerk hat die übergreifende Kompetenz. Zum einen die allgemeine E-Technik einschließlich Schutzmaßnahmen und zum anderen die ITK Kompetenz, die Informationstechnik. Dies kann kein anderes Handwerk bieten. Es gab vor anderthalb Jahren eine Umfrage, in der das Handwerk als erster Ansprechpartner mit dem größten Vertrauen genannt worden ist. Hier spielen natürlich Faktoren wie Zuverlässigkeit, Garantie, Beratungskompetenz, 24h-Erreichbarkeit und ständige Weiterbildung eine herausragende Rolle.

(Bild: TeDo Verlag GmbH)

 
Der Endkunde nutzt vermehrt das Internet für die Recherche über intelligente Technik und kommt mit konkreten Wünschen zum Elektrofachmann. Es besteht ein hoher Bedarf, Beratungskompetenz aufzubauen. Wie können Elektrobetriebe diesem hohen Anspruch gerecht werden, ohne ihr Tagesgeschäft zu vernachlässigen?

Das Internet kann niemals die komplette Beratungsleistung eines Fachmanns aus dem E-Handwerk vor Ort ersetzen. E-Handwerke müssen sich darauf einstellen, ihre Beratungsleistung zu bepreisen. Eine Beratung sollte daher erst nach Erteilung eines offiziellen Auftrags erfolgen. Und Beratungskompetenz muss wie jede Qualifizierung und Weiterbildung auch in Zeiten voller Auftragsbücher ausgebaut werden. Gerade in guten konjunkturellen Zeiten müssen die Betriebe hierfür Zeit schaffen und entsprechende Qualifizierungen vornehmen. Besondere Bedeutung kommt auch dem Besuch von Regionalmessen zu, um die neuesten Marktentwicklungen zu erkennen.

 
Kaum ein anderer Bereich ist so stark geprägt von Dynamik wie die Elektrotechnik. Die Produkte und Lösungen werden immer komplexer und die Geschwindigkeit des technologischen Wandels ist hoch. Ist es aufgrund dieser Entwicklungen nicht besser für Elektrohandwerksbetriebe, nicht als Komplettanbieter aufzutreten, sondern sich zu spezialisieren?

Jeder Betrieb muss diese Entscheidung für sich treffen. Hat er das Potenzial, um als Komplettanbieter das gesamte elektrotechnische Spektrum abzudecken? Falls nein, kann er auf Kooperationsmodelle zurückgreifen, bei denen eine Firma den Gesamtauftrag annimmt und dann Teilbereiche wie EDV-Vernetzung oder Netzwerkadministration an Partnerunternehmen vergibt.

 
Die konjunkturelle Stimmung in den E-Handwerken ist deutschlandweit so gut wie nie zuvor. Aber gerade jetzt muss ein besonderes Augenmerk auf das Thema Qualifizierung gelegt werden. Bei prall gefüllten Auftragsbüchern ist das gerade bei kleinen und mittleren Betrieben ein schwieriges Unterfangen. Wie können die Betriebe diesen Spagat bewältigen?

Teilweise werden die Inhalte schon während der Ausbildung implementiert. Das heißt also, unsere Auszubildenden werden schon in KNX und anderen Technologiebereichen mit ausgebildet. Außerdem bieten unsere verbandsnahen Schulungsstätten E-Learning-Kurse an und Schulungen, die nicht unbedingt eine Präsenzzeit haben. Sie können heutzutage eine Ausbildung z.B. als Brandschutz-Experte für spezielle Brandmeldesysteme online absolvieren, bei denen anschließend das Zertifikat zugeschickt wird. Wir haben eine Schulungsstätte in unserem Bildungszentrum, in der KNX-Kurse als Abendschule angeboten werden. Der Grundkurs umfasst 40 Stunden. Er fängt z.B. um 17 Uhr an und geht bis 21 Uhr. Die Teilnehmer erhalten den entsprechenden KNX-Schein. So sind die Betriebe in der Lage, sich auch außerhalb der normalen Dienstzeit weiterzubilden.

 
In Zeiten von Fachkräftemangel besteht eine große Herausforderung darin, junge Menschen und Schulabgänger für technische und handwerkliche Berufe zu interessieren. Jugendliche werden heutzutage mit modernen Maßnahmen wie dem Internet und über die verschiedenen Social-Media-Plattformen erreicht. Doch leider sehen sich die meisten kleineren oder mittleren Ausbildungsbetriebe weder zeitlich, noch personell in der Lage, ein entsprechendes Ausbildungsmarketing zu betreiben. Bekommen die Betriebe hier Unterstützung vom ZVEH?

Ja, wir bieten den Betrieben ein sehr großes Paket. An erster Stelle ist die E-Zubis-Kampagne zu nennen, die wir nochmal intensiviert haben. Auf der dazugehörigen Facebook-Seite verzeichnen wir bereits über 50.000 Likes. Hervorzuheben ist auch die preisgekrönte Kinowerbung. Gut eingeschlagen ist auch eine Kooperation mit dem deutschen Handballbund: Trikotwerbung bei der Jugend-Nationalmannschaft. Auf der E-Zubis-Website besteht die Möglichkeit, sich ausführlich über die sieben Berufe im E-Handwerk zu informieren. Außerdem gibt es eine Internetplattform, auf der wir bundesweit nach Postleitzahlen freie Stellen für Auszubildende einstellen. Interessenten können sie anklicken und direkt Kontakt mit dem Betrieb aufnehmen. Von 2014 auf 2015 ist es uns gelungen, die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 4,7% zu steigern. Das darauffolgende Jahr konnten wir nochmals um 3,2% zulegen. Wir haben jetzt in den sieben Ausbildungsgängen 40.166 Auszubildende im Elektrohandwerk. Um frühzeitig Begeisterung für die E-Handwerke zu wecken, stellen wir auch Schulen diverse Unterrichtsmaterialien über die Plattform Lehrer-online zur Verfügung.

 
Im Zuge der Digitalisierung und der intelligenten Vernetzung von Gebäuden steigt der Stellenwert von Normen. Wie sieht die Normungsarbeit im ZVEH aus? Welchen Einfluss hat das Elektrohandwerk bei der Gestaltung auf die für sie relevanten Normen? Wie werden die Interessen des Elektrohandwerks diesbezüglich gewahrt?

Die Normungsarbeit hat generell einen sehr hohen Stellenwert für unsere Handwerke. Es besteht ein enger Dialog mit dem VDE und der DKE. Experten der E-Handwerke sind in allen relevanten Gremien vertreten. Der ZVEH hat mit Burkhard Schulze einen Normen-Beauftragten berufen, der in diesem Gebiet federführend tätig ist. Zudem haben wir auf der Geschäftsstelle in Frankfurt Anfang des Jahres Andreas Habermehl eingestellt. Er betreut das Referat Innovationen und Normung. Ich selbst bin im Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN). (Anm. d. Red.: FNN ist der technische Regelsetzer für die Stromnetze in Deutschland). Außerdem gibt es noch das TAB-Fachforum, das der ZVEH zusammen mit dem Forum FNN organisiert. Dieses findet alle zwei Jahre zweitägig statt. Hier erfahren Elektrohandwerk und Netzbetreiber alles Neue rund um die Niederspannung. Wichtige Normungsarbeit leisten wir unter anderem auch für die Bereiche E-Mobilität und moderne Hausinstallation.

 
Oftmals besteht für den Praktiker das Problem, dass wenig Zeit vorhanden ist, um sich intensiv mit den Neuerungen in den Normen und Vorschriften zu beschäftigen. Was kann man tun, um die Anwendung von Normen und Vorschriften für den Praktiker zu erleichtern?

Beispielsweise lässt sich mit praxisgerechten Normen-Apps die Anwendung erleichtern. Dies hilft den Innungsmitgliedern bei Praxisfragen. Parallel gibt es Beratungen bei vielen Landesverbänden. Weitere Möglichkeiten, etwas Neues zum Thema Normen und Vorschriften zu erfahren, bieten unsere Fachtagungen sowie Fachforen auf Messen.

 
Nun zum Thema E-Markenkonzept. Was gibt es Neues in Sachen Weiterentwicklung? Warum lohnt es sich gerade jetzt, E-Marken-Betrieb zu werden?

Die E-Marke ist das Qualitätssiegel der E-Handwerke und ein wichtiger Orientierungspunkt im Markt. Sie ist ein Symbol für qualifizierte Dienstleistungen. Gäbe es die E-Marke nicht, müsste man sie heute erfinden. Hier spielen Faktoren wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Erreichbarkeit sowie 24h-Notdienst usw. eine wichtige Rolle. Wir brauchen die E-Marke auch zur Darstellung unserer Dienstleistungskompetenz. Die Betriebe kennzeichnen mit der E-Marke ihr hohes Qualifikationsniveau. Bedeutung hat die E-Marke auch vor dem Hintergrund der EU-Gesetzgebung. Denn die EU-Kommission versucht mit dem sogenannten Dienstleistungspaket, den Meistervorbehalt abzuschaffen. Bis jetzt stehen die gesamte Bundesregierung, auch die Kanzlerin, und der Bundestag hinter dem Meisterbrief. So haben Bundestag und Bundesrat eine EU Subsidiaritätsrüge erhoben und nach Brüssel geschickt. Des Weiteren wollen wir mit der E-Marke natürlich auch die meisterliche Qualifikation dokumentieren. Heute gibt es rund 8.000 E-Marken-Betriebe. Diese Zahl wollen wir weiter steigern, halten dabei aber ausdrücklich am Qualitätsprinzip fest.

 
Wie sehen Sie die Zukunft des Elektrohandwerks? Wo sehen Sie momentan die größten Herausforderungen und Trends der kommenden Jahre?

Ich sehe die Zukunft der E-Handwerke ausgesprochen positiv. Strom wird die prägende Energieart. Der Trend geht zu Komplettdienstleistungen. E-Handwerke können viele Projekte in einer Immobile betreuen, nicht nur einzelne Elektroaufträge. Umso wichtiger wird es sein, weiter auf Nachwuchsgewinnung und Mitarbeitersicherung zu setzten. Die Mitarbeiter werden durch Qualifizierungsangebote an die Betriebe gebunden. Wir freuen uns, dass die Betriebe 2016 erstmals bundesweit über 480.000 Mitarbeiter beschäftigt haben. Unsere Berufsfelder und auch die Gehälter sind also attraktiv. Ebenso bestehen in den Betrieben gute Weiterbildungs- bzw. Aufstiegsmöglichkeiten – ob zum Meister, Techniker oder Fachmonteur. Ich sehe in Zukunft für uns viele neue Marktfelder. Diese neuen Geschäftsfelder benötigen intelligente Lösungen und intelligente Mitarbeiter.

 
Was sind die Hauptziele für die nächsten beiden Jahre Ihrer Amtszeit?

Wir wollen unser E-Marken-Konzept schärfen. Derzeit gibt es dazu ausführliche Diskussionen in unseren Gremien. Dann steht ganz oben auf der Agenda die Qualifizierung zu intensivieren – vor allem vor dem Hintergrund der verschwimmenden Gewerkegrenzen. Ebenso möchte ich die doppelte Kompetenz der E-Handwerke im Bereich Energieversorgung und IT als besondere Domäne noch stärker im Markt positionieren. Der Kunde muss einfach wissen, dass er bei uns einen Ansprechpartner hat, der ihm viele Lösungen komplett aus einer Hand bietet. Zu den wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre gehört auch, das Marktfeld Smart Home für uns zu sichern. Sie hatten diesbezüglich die unterschiedlichen Wettbewerber aus den Bereichen Telekommunikation, Energieversorgung und Unterhaltungselektronik angesprochen. Hier gilt es, dafür zu sorgen, dass der Kunde weiß: Im professionellen Bereich ist das Elektrohandwerk mein erster Ansprechpartner. Das Fachhandwerk implementiert, programmiert und wartet die Anlagen.

Vielen Dank für das Gespräch!


www.zveh.de

ZVEH
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